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Bar Kochba · 1920-07-01 · Heft 2 · p. Seite 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 2
Date
1920-07-01
Page
Seite 27 (sequence 11)
Language
German
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Aber war notwendig war, mußte geschehen, und Frau Trina war nicht die Frau, die lange fackelte. Sie hüllte also das ganze Bündel so wie es war in ihr. Umschlagetuch, nahm es auf den Arm. befahl )an mi'-, zukommen und ging geradewegs nach Cuxhaven und zum Pfarrer. Der Pastor machte große Augen, als plötzlich Frau Trina. die nicht gerade zu den frömmsten Frauen seines Kirchensprengels gehörte, da plötzlich bei ihm erschien, und diese' Augen wurden immer größer, alsdie Lotsenfrau ihm erzählte, was sie hierher geführt Habe, und auf welche Weise das fremde Kind in ihr Haus gekommen sei. Als sie mit Erzählen fertig war, ging er mit großen Schritten in seiner Studierstube umher und paffte dabei mächtige Wolken aus seiner großen pfeife. Schließlich blieb er stehen und befahl Frau Trina, das Bündel langsam und vorsichtig zu öffnen. Es bestand eigentlich aus lauter Lumpen, in deren Witte das Kindchen lag wie ein junger Vogel in seinem Nest. Als man er ganz geöffnet hatte, fand man ein grobes Stück Papier, auf dem etwas geschrieben stand. Der Pfarrer nahm es, trat ans Fenster, setzte sich die Brille auf und betrachtete es aufmerksam. Schließlich wandte er sich Frau Trina zu und sagte: „Lesen kann ich es nichts denn es ist schon halb verwischt, aber" sä viel Kann ich Euch sagen, daß das Kind ein Iüdenkind ist und von den Auswanderern auf dem Schiff zurückgelassen wurde." Frau Trina stand da wie vor den Kopf geschlagen. Da hatte ihr )an ja etwas Nettes angerichtet! Sie hatte zwar in ihren» Leben noch nie mit einem Juden gesprochen, und sie wußte wenig mehr von diesen Leuten, als was in der Bibel steht. Trotzdem hat sie immer ein gewisser Grauen vor ihnen empfunden, und manche törichten Geschichten, die im Volk erzählt werden, waren auch ihr zu Ohren gekommen. Und jetzt saß sie da und hatte so ein Iudenkind in ihrem eigenen Hause, was sollte sie tun? Das Kind einfach dem Pastor dalassen? Der war unverheiratet und ehr älter Junggeselle. Der würde sich schön bedanken Und schließlich konnte man doch nicht von ihm verlangen, daß er. der von kleinen Kindern keine Ahnung hatte ihm zu trinken geben sollte! ( $ o r 11 e iz u 11A f o 1 Al) 27

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