Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 49.1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Vom Ursinn der Bibel. Von Harry Tor czyn er. Der Synagoge und der Kirche ist die Bibel ein Erbauungsbuch, darin dio Seele des Frommen Antwort finden will auf die vielen erschütternden Fragen des Menschenlebens. Mit all ihren Leiden und Zweifeln haben nun bald zwei Jahrtausende hindurch Väter, Söhno und Enkel sich an die Bibel gewandt und in ihren Worten Trost und Rat gesucht. Hinter ihren schlichten Erzählungen von längst vergangenem Geschehen forschten sie nach dem ewigen Ursinn, der, in dio Geschichte von Israels Werden eingekleidet, der Gottheit geheimnisvolle Antwort auf alle Fragen jeder Gegenwart und Zukunft in sich schloß. Und die Ergebnisse dieses auf das Bedürfnis der mit den eigenen Problemen ringenden Seele gerichteten Forschens und Deutens verbanden sich im Denken der Geschlechter eng und enger mit den Worten des Textes, bis hinter dem gewonnen geglaubten Ursinn der einfache klare Wortsinn selbst oft, sehr oft, so völlig verlorenging, daß nicht nur der Laie, sondern auch der kritische Forscher, der zunächst einmal der Bibel eigene Meinung wieder feststellen will, häufiger als er es denken mag, im Bann «iner traditionellen Deutung steht, die sein Urteil in falsche Richtung weist. Welcher bibelkundige Jude würde z. B. daran zweifeln, daß es Elieser, der „bekannte" Knecht Abrahams war, den dieser aussandte, um Isaak dio Braut zu holen? Indes ist in der Erzählung von der Brautfahrt um Rebekka Gen. 24 nirgends ein Name des Knechtes genannt, den dio Bibel umständlich als Abrahams „Knecht, den ältesten seines Hauses, der über alles, was er hatte, schaltete" bezeichnet, offenbar, weil der Erzähler einen Namen nicht weiß; ja, der Name Elieser kommt in der Abrahamerzählung überhaupt nur einmal Gen. 15, 2 in einer noch nicht befriedigend zu erklärenden Wendung vor1)*, worin bei umgeändertem Text und korrekter Deutung zumindest Elieser allein nicht Name einer Person sein kann. Wieviele Forscher glauben fttesier noch heute mit der Agada an das Behemot-Untier in Hi 40, 15, das daraus als angebliche Bezeichnung des Nilpferds in tierkundliche Darstellungen aller Art gelangt ist, obgleich an der Bibelstelle selbst, wie auch die alte griechische Übersetzung der LXX richtig sah, nur das so überaus häufige gleichlautende Wort für „die Tiere" vorliegt. Und so ließen sich ähnliche Beispiele in Menge anführen, wo die spätere l) <njnht pwn mn wa pro 4 21