Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 48.1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
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anderes als die notwendigen dogmatischen Voraussetzungen der Idee des Gehorsams. Wie die jüdische Philosophie des spaten Mittelalters aus dem Begriff der Offenbarung, leitet Spinoza aus dem des Gehorsams sein Dograensystcm ab45). Es versteht sich von selbst, daß diese Dogmen keine wahren, sondern nur „fromme Dogmen" (pia dogmata) sind. Sie definieren die Vorstellungswelt der populären Religion, die zu der wahren Erkenntnis der Metaphysik in striktem Gegensätze steht. Da sie in der Vernunft ihren Platz nicht haben können, weist Spinoza ihnen ihren Ort in der Offenbarung zu. Daß es für ihn Offenbarung als metaphysische Realität nicht gibt, ergibt sich aus den metaphysischen Voraussetzungen seines Systems von selbst, und der theologisch-politische Traktat läßt die wahre Überzeugung Spinozas deutlich genug erkennen. Die allgemeine Religion ist ihm ein Produkt des volkstümlichen Denkens. Daß er sich gleichwohl den Anschein gibt, an der von ihm metaphysisch und historisch entwurzelten Offenbarungsidee festzuhalten, ist nicht allein der Anpassung an die kirchliche Lehre zuzuschreiben. Spinoza will für das populäre Bewußtsein den Gedanken der Offenbarung retten, weil ihm für die Sittlichkeit des Volkes keine andere Begründungsform zu Gebote steht als die des persönlichen Gottes und der göttlichen Gesetzgebung. Er übernimmt zu diesem Zweck den Offenbarungsbegriff der historischen Religion, aber erweitert ihn dem allgemein menschlichen Charakter des populären Tugendbegriffs gemäß zum Begriff der universalen Offenbarung. So haben wir nach seiner Religionstheorie drei Schichten zu unterscheiden: 1. die metaphysische Wahrheit der Philosophie, die zugleich die letzte religiöse Wahrheit in sich befaßt; 2. dio universale Religion des Gehorsams; 3. die lediglich politische mosaische Gesetzgebung. Die Bibel enthält Elemente aus allen drei Gebieten. Manche ihrer Bücher, insbesondere die salomonischen, erheben sich zur Höhe der Philosophie, die Lehre) der Propheten bleibt demgegenüber in der volkstümlichen Sphäre, der auch die Gottesvorstellung der Propheten «Mitspricht. Aber sie enthält in sich sowohl die reine Religion des Gehorsams wie die für das jüdische Volk allein bestimmte politische Gesetzgebung des Mose*6). Von den Verwicklungen und Künstlichkeiten dieser Gkjdanken- . f ührung, von dem Zwielicht, in dem der theologisch-politische Traktat die eigentliche Meinung Spinozas erscheinen läßt, findet sich U8