Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 47.1930
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2273546-2273639--2299-2276101- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
deutet, daß der Versöhnungstag nur nach erfolgter Bekehrung (nawn) eine Vergebung der Sünden bewirkt, eine Ansicht, die auch in der Mischna zum Ausdruck kommt, in der Baraita aber nicht ohne Widerspruch bleibt128). Der Neujahrstag129) wird in unserem Buche als eigener Feiertag, trot2 Lev. 23, 23 f., nicht aufgeführt. Statt dessen werden 6, 23f. die Neumonde des ersten, vierten, siebenten und zehnten Monats als Gedenk- und Festtage genannt, die Noah zur Erinnerung an die Sintflut „für die Nachkommen in Ewigkeit" eingesetzt hat. Solche Feste — außer dem Neujahrstag am 1. des siebenten Monats — kennt die jüdische Überlieferung nicht. Die vier Jahreszeiten werden in der rabbinischen Literatur zwar genannt130), aber deren Anfänge nicht als Festtage bezeichnet. Hand in Hand mit dieser eigenartigen Stellung unseres Verfassers zu den „Festtagen" geht seine heftige Polemik gegen die Festsetzung der Feste nach dem Monde, gegen den pharisäischen Kalender. In Kap. 6 eifert er: „34. Und alle Kinder Israel werden den Weg der Jahre vergessen und nicht finden und werden Neumond und Zeit und Sabbat vergessen, und in aller Ordnung der Jahre werden sie irren ... 36. Und es wird Leute geben, die den Mond genau beobachten; denn dieser verdirbt die Zeiten und geht von Jahr zu Jahr zehn Tage vor. 37. Deswegen werden ihnen Jahre kommen, wo sie den Tag des Zeugnisses verderben und zu einem verachteten Tage machen und einen unreinen Tag zum Fest, und alles werden sie vermengen, die heiligen Tage mit unreinen und den unreinen Tag mit einem heiligen Tag. Denn sie werden Monate und Sabbate und Feste und Jubiläen auflösen." Deshalb sei den Kindern Israels geboten, „sie sollen die Jahre halten nach dieser Zahl: 364 Tage, und dies ist ein volles Jahr, und sie sollen seine Zeit nicht verderben von seinen Tagen und von seinen Festen . . . und sie sollen keinen Tag auslassen und kein Fest vernichten" (32). Hier herrscht dasselbe Kalendersystem, das im Buche Henoch (in den astronomischen Stücken) eine große Rolle spielt, und es ist wahrscheinlich auch jenem nur entlehnt. Auch dort besteht das Sonnen jähr aus nur 364 Tagen (Henoch 74, 10f.) 12 Monaten zu 30 Tagen und 4 Schalttagen (Henoch 75, 1; 82, 11). Wegen dieser Schalt- 19