Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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Für das Verständnis eines wichtigen Abschnittes der jüdischen Religionsgeschichte ist es entscheidend, wie die Bedeutung und Stellung der Pharisäer in dem Judentum ihrer Zeit aufgefaßt wird. Seit Geiger und Wellhausen bemüht sich die Forschung erneut immer wieder um diese Frage; des ersteren „Urschrift und Übersetzungen der Bibel in ihrer Abhängigkeit von der innern Entwickelung des Judentums" und, ihm sich anschließend und sich mit ihm auseinandersetzend, des letzteren Buch „Die Pharisäer und die Sadducäer", haben die Wege gewiesen. Um unsere Frage zu beantworten, ist es vor allem erforderlich, diesen Namen „Pharisäer" zu erklären, den die griechische Wiedergabe des hebräischen Wortes Peruschim — D'tPVis — bzw. des aramäischen Perischin, Perischaja — j'BPlö, stat. emph. iWHS — gebildet hat. Geiger1) faßt dieses Wort als „die Abgesonderten" auf und leitet diese Bezeichnung von den „Abgesonderten", den „Nibdalim"2) her, die sich nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil in der Zeit Serubabels und Esras „von den Völkern der Länder und deren Unreinheit" eifervoll geschieden hatten. In seinem Wesentlichen folgt dem auch Wellhausen3). Auch er sieht in den Pharisäern die „Abgesonderten" oder, wie er dafür sagt, die „Separatisten"; nur führt er sie nicht auf jene „Nibdalim" zurück, sondern auf die „Asidäer", die „Frommen" der Makkabäerbücher, und er will auch in der „Absonderung" eine andere sehen, nicht nur die jener Nibdalim, welche ja die des ganzen Volkes geworden sei, sondern eine ganz besondere, die nämlich, in welcher eine Gruppe sich von denen allen absonderte, die in ihrer Frömmigkeit weniger genau und peinlich waren als sie selbst. Während Geiger1) geneigt ist, anzunehmen, daß den Pharisäern ihr Name, zunächst wenigstens, von Gegnern beigelegt worden sei, nimmt ihn Wellhausen5) daher als einen „Ehrennamen", so daß „die beabsichtigte Absonderung dabei weniger hervortritt als die wirkliche Auszeichnung durch Frömmigkeit". Der Wellhausenschen Darstellung ent- 3U