Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1925
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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•~ — 14 — Hochverehrte Festversammlung! Der Tag des Gedenkens sei uns ein Tag des Dankens! „Bis hierher hat der Ewige uns geholfen", beten wir mit dem alten Prophetenwort, unserem Herzen entströmt ein Gefühl demutvollen Dankes gegen den Allgütigen, „der uns bat leben, bestehen und gelangen lassen zu dieser Zeitwende", der unsere Hochschule bis auf diesen Tag beschützt und erhalten, der ihr schwaches, schwankendes Fahrzeug durch mannigfache Klippen und Gefahren sicher geleitet hat! Nicht in gradlinigem Aufstiege hat ihre Entwicklung sich vollzogen, zahlreiche Hindernisse standen ihrem Emporkommen entgegen. Nicht eine günstige Volksstimmung hat sie getragen; von wenigen, hochsinnigen Männern ward sie ins Leben gerufen zur Verfechtung einer Idee, und sie musste die alte Wahrheit an sich erfahren, dass eine Idee sich nur in Kampf und Not durchzusetzen vermag. Unsere Hochschule hat das Ringen aufgenommen und darin, wenn auch nicht gesiegt, so doch ehrenvoll bestanden! In dem jüngst erschienenen Bericht „Zum fünfzigjährigen Bestehen der Hochschule" ist in grossen Zügen ihre Entwicklung gezeichnet, ist in grossen Zügen der Männer und Frauen gedacht, die sich um ihre Entstehung und Erhaltung besondere Verdienste erworben haben. In dieser festlichen Stunde sei das von uns Erstrebte, Erreichte, Erhoffte kurz dargelegt. I. Die Entwicklung des Judentums ist an die Entwicklung seiner Lehrhäuser geknüpft. Das Schicksal hat die Juden zu einem Wandervolk gemacht, die Lehrhäuser wurden ihnen Ruhestatt auf der Flucht, Brennpunkte geistiger Sammlung. Noch bevor die Judäer, so erzählt ä$e alte jüdische Legende, ins babylonische Exil zögen, waren durch die Vorsehung die Gelehrten Jerusalems in das Zweistromland verpflanzt worden, •damit sie dort Stätten der Wissenschaft vorbereiteten. So unlöslich schienen Siedlung und Lehrhaus verbunden. Jahrhunderte lang blieben die Augen ganz Israels auf die Lehrhäuser Babyloniens gerichtet und, als in Europa die jüdische Diaspora sich ausbreitete, bezeichneten neue Lehrstätten neue Ruhepunkte, neue Entwicklungsmögüchkeiten jüdischen Geisteslebens. Den Vorrang im Judentum