Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1922
- Date
- 1922-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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— 13 — kam 1920 ein schon vor dem Kriege begonnenes Doppelheft. Sobald die Verhältnisse es gestatten, soll die Veröffentlichung wieder aufgenommen werden. Vor wenigen Jahren durften wir in der zwar langsamen, ammu* aber stetigen Befestigung der materiellen Grundlage der Hoch- . schule eine Bürgschaft für ihre Zukunft erblicken. Der Zusammenbruch der deutschen Währung macht alle unsere Hoffnungen und Berechnungen illusorisch. Der Voranschlag unseres Haushalts für 1922 schliesst mit Ausgaben in Höhe von Mk. 569 ICO.— ab, das ist mehr als die Anstalt in den ersten 25 Jahren ihrer Wirsarnkeit überhaupt eingenommen hat (Mk. 500233.44), und noch ist ein Ende der Teuerung nicht abzusehen. Angesichts der erschreckenden Geldentwertung verlieren unsere Kapitalien und ihr Zinsertrag ihre bisherige ße. deutung. Wir teilen die Not mit der gesamten deutschen Wissenschaft, aber für uns wird die Lage verhängnisvoller, weil uns der Staat nicht den geringsten Zuschuss gewährt und wir ausschliesslich auf das Wohlwollen der Glaubensgenossen angewiesen sind. Die Hochschule steht einer ebenso schwierigen Situation gegenüber wie vor 50 Jahren, wir müssen ihre Finanzen von neuem aufbauen. Nichtsdestoweniger verzweifeln wir nicht, denn inzwischen ist uns ein wertvoller Bundesgenosse erstanden, die Wirksamkeit unserer Hochschule während eines halben Jahrhunderts. Sie hat die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt, hat die ausgestreute Saat zur Reife gebracht. Heute beginnt die Anerkennung der Wissenschaft des Judentums und ihrer Leistungen sich durchzusetzen, heute besteht ein dringendes Verlangen nach einer freien, unabhängigen Stätte für Lehre und Forschung, in der jede Richtung zu ihrem Recht kommen, in der jede wissenschaftlich begründete Meinung zum Vortrag gelangen kann. Die Hochschule hat sich als ßindegliti zwischen Rechts und Links, zwischen Ost und West, zwischen Fachmannern und Laien, zwischen Wissenschaft und Leben bewährt, sie hat ihr Anrecht auf Fortdauer und Weiterentwicklung erwiesen. Wir vertrauen fest darauf, dass unsere bewährten Freunde uns auch in Zukunft Stütze und Rückhalt gewähren, dass sie uns auch neue Gönner zuführen werden. Wir vertrauen