Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1922
- Date
- 1922-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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— fr — ft«ih«it *. Lii r-j Das waren die Grundsätze, von denen die Väter der Hochschule sich leiten Hessen, es gilt Rechenschaft darüber abzulegen, bis zu welchem Grade diesen Grundsätzen Treue gehalten wurde.l) Mit stolzer Genugtuung darf betont werden, dass, ungeachtet aller Schwierigkeiten, denen ihre Entwicklung begegnete, das Palladium der Hochschule, ihre Unabhängigkeit und ihre Unparteilichkeit, gewahrt wurde. Vor allem ist die Freiheit der Lehre stets geachtet worden, das Kuratorium fasste seine Aufgabe dahin auf, dass es über der Durchführung der im Statut vorgesehenen Freiheit der Forschung und Lehre zu wachen hatte, es hat die Selbständigkeit des Lehrerkollegiums in allen Fragen des Lehrbetriebs ucd der Prüfungen nie angetastet. Besonders bei der Berufung von Lehrern hat es auf Erfüllung der statutarischen Pflichten geachtet, es hat die Dozenten nach ihrer wissenschaftlichen Eignung, nach ihrer Bewahrung als Lehrer und Forscher, nicht aber nach ihrer Parteizugehörigkeit gewählt. Das erste Lehrerkollegium hat II. Steinthal, der unerschrockene Wahrheitssucher und romantisch fühlende Judo, in der Festrede zum 25-jährigen Bestehen der Anstalt wie folgt charakterisiert: „Neben unserem Talmudlehrer Lewy, der einerseits pietätvoll lebte, andererseits ausgezeichnet und ungehemmt kritisch verfuhr, der eifrige, aber streng den historischen Zusammenhang wahrende Reformer, Geiger, dazwischen der besonnen sachliche, aller Geistreichigkeit abholde David Cassel, und endlich ich, der das allseitig verbindende Element abgab." So ungleichartig wie damals ist das Lehrerkollegium stets zusammengesetzt gewesen, es haben Männer verschiedener Richtung wie Frankl und Müller, wie May bäum und Schreiner, an der Hochschule gelehrt und einträchtig miteinander gewirkt. Was sie trotz der obwaltenden Verschiedenheit zusammenhielt, war die Liebe zum Judentum und die Ueberzeugung, dass dieses, weil es Wahrheit in Fortschritt ist, Gegensätze in sich verträgt, und dass jeder von ihnen in Wahrhaftigkeit lehrte. ») Eine ausführliche Darstellung der Entwicklung unserer Anstalt bietet der „Rückblick über ihre ersten fünfundzwanzig Jahre (l872-lS97)a und die „Festschrift zur Einweihung des eigenen Heims" von I. Elbogen und J. Höniger, Berlin 1907. Im üebrigea verweisen wir auf die Berichte der Hochschule und der Lehranstalt, die 1874, 1876 und seit 1S85 alljährlich erschienen sind.