Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1922
- Date
- 1922-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Unsere Hochschule schliesst soeben ihr hundertstes Studiensemester. Zwar wurde bereits um die Jahreswende 1869/70 ihre Gründung vollzogen und das erste Kuratorium gewählt, doch die Eröffnung fand erst am 6. Mai 1872 statt. Fünfzig Jahre sind seitdem verflossen — eine schicksalsschwere Zeit stolzer Hoflnu Dg, glänzenden Aufstiegs und jähen Zusammenbruchs für unser Vaterland! Est ist nicht an der Zeit, Freudenfeste zu feiern, wir dürfen aber an diesem Markstein in der Geschichte der Anstalt nicht vorübergehen, ohne über seine Bedeutung nachzusinnen, nicht ohne das Gefühl tiefsten Dankes gegen den Allgütigen, der die Anstalt hat leben, dauern und bestehen lassen bis zu diesem Tage. Zahlreich und schwer waren die Gefahren, die ihr Dasein bedrohten, bisweilen musste man an ihrer Lebensfähigkeit zweifeln; heute steht sie festgegründet und wird, wie wir hoffen, der für alle wissenschaftlichen Institute eingetretenen Notlage nicht erliegen. Es ht dies das Verdienst der Männer und Frauen, die durch ihre Opferwilligkeit, insbesondere durch die Errichtung grösserer Stiftungen (vergl. S. 32) das Bestehen der Hochschule ermöglicht haben. In Dankbarkeit gedenken wir der Verdienste unserer Vorgänger im Amte, die um.die Verwaltung der Hochschule bemüht waren, insbesondere der heimgegangenen Vorsitzenden Moritz Lazarus (1870—1895), Salomon Neumann (—1906) und Herman Veit Simon (—1914), und nicht zuletzt gilt unser Dank den Mitgliedern des Lehrerkollegiums, die ihr Bestes für die Hochschule hergegeben und ihre Entwicklung bestimmt haben. Der Grundstein zur Errichtung der Hochschule wurde von dem verewigten Stadtrat Moritz Meyer gelegt, dem die Begründung einer jüdisch-theologischen Fakultät in Berlin, wenn möglich an der Universität, Herzenssache war und der als erster einen namhaften Betrag für eine solche Anstalt zur Verfügung stellte. Nach dem frühen Heimgang des Gatten, 1869, nahm