Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1915
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2273546-2273611--1882-2275670- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 31 — sondern auch mit den großen Gaben seines Herzens. Wir hofften auf einen Freudentag, an dem auch wir ihm unsere Dankbarkeit und unsere Verehrung zum Ausdruck bringen könnten; noch im Juni vorigen Jahres wurde für seinen CO. Geburtstag eine Festschrift in Aussicht genommen, die seinen Namen mit der wissenschaftlichen Arbeit dieser Anstalt dauernd verknüpfen sollte. Kur wenige Wochen später, und der Freund, an den sich jeder unserer Wünsche klammerte, .ward uns für immer entrissen! Wir handeln nicht im Sinne unseres Toten, wenn wir uns der lähmenden Klage hingeben; wie er selbst sich aus schwerster Trauer durch vertiefte Arbeit aufzurichten suchte, so ruft er auch uns auf, nicht einzuhalten in unserem Schaffen, sein Werk fortzusetzen und ihm dadurch Ehre zu bezeigen. Noch nie ist ein echter Mann gestorben, so sagt ein altes Wort, ohne daß er auch nur die Hälfte dessen erreicht hätte, was er erstrebte. Wenn er aucli nocli so viel errungen, sein Streben geht immer höher, sein Ziel streckt sich immer weiter. So hat auch llerman Veit Simon uns ein Vermächtnis hinterlassen, eine Aufgabe, die wir zu erfüllen.haben. Noch vieles bleibt zutun, was er unvollendet gelassen, oder was er noch garnicht in Angriff nehmen konnte. Das Ziel, das ihm klar und fest vor Augen schwebte, steht sicher vor uns; es galt ihm, die Anstalt frei und unabhängig zu erhalten und dennoch zu den gleichen Leistungen wie die staatlichen Hochschulen zu befähigen, sie zu einem anerkannten Mittelpunkt der Forschung auszugestalten, zu einer Quelle des Segens für das Judentum und die Wissenschaft. Dieses Werk wollen wir fortsetzen, wir wollen dankerfüllt an seinem Denkmal bauen und so seinen Namen lebendig erhalten! „Was wir verloren, kehrt nicht wieder, Aber gingst du uns feuchtend nieder, Lebt uns ewig dein leuchtendes Bild!"