Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1915
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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— 24 — für die Leistung anderer, der aufrichtigen Dankbarkeit für jede Mitarbeit, für jede Förderung. Wir sehen ihn wieder unter uns, den Mann von auggeprägter Eigenart, der dabei befähigt war, sich in die Gesamtheit einzuordnen, den Mann von starkem Freiheitsdrang, der die Kraft und die Berechtigung der Autorität nicht verkannte, der sich als Erbe und Mehrer einer alten Kultur fühlte und dabei oll'enen Sinn zeigte für das Leben der Gegenwart und seine Bedürfnisse, der, ein Bürger der großen Welt, von ausgebreiteter Bildung, voller Empfänglichkeit für alles Schöne in Natur und Kunst, doch fest gewurzelt blieb in der geliebten Iloimat mit ihrer anspruchslosen biederen Art. Ein Hüter und Schützer des Rechts war er durchdrungen von der Pllicht, don Schwachen undBedrückten zur Seite zu stehen. Wie er mit scharfem Blick verwickelte Rechtsfragen und schwierige Gedankengänge überschaute, so las er auch mit großer Sicherheit in den Zü«;en der Menschen, ob Kummer oder Sorge sie bedrückte, und in stiller Fürsorge suchte er zu helfen, mit offener Hand, in großzügiger Freigebigkeit. Mit besonderer Freude erfüllte er die soziale Pllicht, junge Menschen in ihrem Aufstieg zu fördern, die akademische Jugend hatte einen warmherzigen Freund in ihm, im Ausschuß des II i 1 f s v e r e i n s f ü r jüdische Studierende hat er Jahrzehnte lang in fürsorglichster Teilnahme seines Amtes gewaltet. Auch auf unsern Stipendienfonds hatte er ein wachsames Auge, es war sein Bestreben, ihn von zufälligen Einnahmen unabhängig zu machen, vermittels der Stipendien begabten Studierenden eine sorgenloso Beschäftigung mit der Wissenschaft und eine gründliche Fortbildung in ihrem Fache zu ermöglichen. Doch die Wurzel seiner seelischen Kraft war die P i e t ä. t, die er in erhebender und rührender Weise allem gegenüber betätigte, was mit seiner Familie und seiner Entwicklung zusammenhing. Ein Zug) der Verklärung ging über sein Angesicht, wenn er vom Hause seiner Eltern oder Großeltern erzählte. Mit Liebe folgte er den Spuren seiner Ahnen in einer vielhundertjährigen stolzen Geschichte, er versenkte sich in ihre Geschicke und in ihre Anschauungen, er fühlte in sich den Beruf, voll Dankbarkeit und Selbstbewußtsein dem kommenden Geschlecht ihren Rühm zu künden, ihre Ideale zu pflegen und weiter zu überliefern. Das erhabenste dieser Ideale war, wenn ich es in die Worte kleiden darf, die der Verewigte einmal von dieser