Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1915-01-01 · 1915 · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1915
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2273546-2273611--1870-2275658
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

I. Geb. Regierungsrat Prof. Dr. Hermann Cohen. Hochgeehrte Vorsamralung! An der Bahre des jah uns entrissenen langjährigen Leiters unserer Lehranstalt hatte ich im Namen derselben den Abschiodsgruß ihm zuzurufen und das Gelöbnis unserer unvergänglichen Dankbarkeit für alle Leistungen und alle Bestrebungen, mit denen er sich in den Annalen unserer Lehranstalt verewigt hat. Der echte Dank richtet sicli nur an das Unvergängliche im Menschen. Das Wesea unseres Wohltäters wollten wir in der Abschiedsstunde uns'gegenwärtig machen. Daher ging auch ich auf den Aufsatz ein, auf den schon der Prediger sich berufen hatte, den unsor Freund dem Andenken Goethes gewidmet hat. Kr wollte von einem Schatten dieses Andenken befreien, den er in der herrschenden Auffassung des west-östlichen Liedes von der Persönlichkeit, als dorn höchsten Glück der Krdenkinder, erkannte. Dieser Auffassung trat er entgegen, und er begründete durch wertvolle Literaturnachweise seine neue Ansicht. Goethe wollte, so lehrte er, keineswegs die Individualität in ihrer schrankenlosen Lebenslust zum höchsten Gute macheu, sondern im Gegenteil, die sittliche Ueberwindung, durch die der Mensch sich von der Gewalt befreit, „die alle Wesen - bindet". Die Bezwingung der Leidenschaft, die Entsagung war gerade in jenen Tagen als eine große Epoche seines Lobens unserm Goethe gelungen; sein Wegweiser war, „sich zu dem Ewigen zurückzufinden." So sucht diese Ansicht Goethe von dem Vorwurf zu befreien, als ob er nicht das Ewige im Wesen des Menschen als das höchste Glück der Erdonkindor erkannt, als ob er die Persönlichkeit nicht in dem Ewigkeitswerte des Menschen begründet hätte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.