Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1914
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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Es ist eine der eigentümlichsten Erscheinungen der Geistesgeschichte, dass bisweilen ähnliche Gedanken zur selben Zeit an verschiedenen Stellen der Menschheit unabhängig von einander hervorkommen. Friedrich Albert Lange hat in einer der Anmerkungen zu seiner „Geschichte des Materialismus", in denen er seine intimeren Ansichten ausspricht, das Bild gebraucht, dass „Ideen, wie organische Keime, weit fliegen", und jeder „rechto Boden sie zur Entwicklung bringt."1) Es ist in der Tat, wie wenn die Schöpferhand dann und wann die Ideen Uber die Erde hin ausstreute. Vielleicht das bezeichnendste Beispiel bietet die Fülle des Wachstums an prophetischen Gestaltungen, wie sie das Vierteljahrtausend aufweist, das, in der Geschichte Israels, etwa mit der Wirksamkeit des Elia beginnt und mit der Heimkehr aus dem Exil endet. Das ganze grosse Kulturgebiet Asiens und Europas war von religiöser Fruchtbarkeit damals erfüllt. In Indien erstehen die Meister der Upanishads und an sie sich anschliessend Gotama Buddha, in Persien die Männer der Gathas, Zarathustra und seine Jünger, in China Lao-tse und Kong-tse. Und vor allem ist es auch in Griechenland die Epoche religiösen Wachsens und Drängens, die Zeit der Denker und Dichter, die zu der neuen Gottheit emporsteigen wollen. Viele von ihnen sind in der Form der Darlegung Philosophen gewesen, aber in ihrem Streben, in dem, um dessentwillen sie philosophierten, waren sie die Suchenden einer neuen Religion.2) Die Wege der Entwickelung gehen auch weiterhin neben einander. Die Worte fast aller dieser Männer sind aufgeschrieben worden, und an die klassische religiöse Literatur, die so entstand, haben sich sehr bald Erläuterungen anfügen müssen, Mahnungen und erbauliche Vorträge anschliessen können. Eine