Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1913
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
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— 55 — mit der allgemeinen deutschen Geschichte wie mit der jüdischen Gesamtgeschichte innerlich zu verbinden. Werden wir auf diesem Wege den Anschluss an die allgemeine Geschichtswissenschaft erreichen? Zu der Tendenz und den Mitteln tritt ein drittes für diesen Zweck hinzu: die Erkenntnis der verschiedenen Stellung der allgemeinen und der jüdischen Geschichte innerhalb des gesamten Fortschritts der Geisteswissenschaften. — Als das Judentum sich aus dem Ghetto herauszuringen begann, wurde das deutsche Geistesleben von der Aufklärung beherrscht, die in allem Menschlichen nur die Extreme des Menschen und der Menschheit sah. Der Klassizismus erkannte die sozialen Zwischengobilde, und als die Romantiker auf diese Erkenntnis den Begriff des politischen Berufs der Bildung anwenden wollten, kamen sie im Gegensatz zur idealistischen Wirklichkeitsvorstellung der ästhetischphilosophischen Bildungsepoche von ihrer Gegenwart aus zur Entdeckung der Vergangenheit — d. h. der geschichtlichen Gegenwart — und der geschichtlichen Wissenschaft. Neben den Romantikern steht als Pathe der Geschichtswissenschaft Hegel, der Wiederentdecker des philosophischen Staatsbegriffs und Schöpfer einer ideologisch überbauten geschichtlichen Wirklichkeit. Damals wurden die wirklichkeits- und geschichtsfremden Anschauungen, welche von der ganz im Banne der Aufklärung stehen gebliebenen Schule Mendelssohns ausgingen, auf dem von den Romantikern und Hegel bereiteten Boden durch die erwachende jüdische Geschichtswissenschaft überwunden. Ein grosser Fortschritt — der aber ohne weitere Entwickelung blieb und bis heute im eigenen Kreise läuft! Die Ausweitung des Stoffs erfuhr erhebliche, auch die Verbesserung der Arbeitsweise einige Fortschritte; die leitende Auffassung blieb aber in den Richtungen stehen, in welchen sie die beiden das Arbeitsfejd beherrschenden Darstellungen zeigen: die eine in der romantischen Leidenschaftlichkeit martyriologischer Panegyrie, die andere in der ideologischen Auflösung aller Wirklichkeit in geistige Manifestationen.- Dies erkennen und sich vom Druck des Ueberlebten befreien, müsste eins sein. Was notwendig erscheint,' ist: sich der