Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1913
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
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Meine Herren! Kommilitonen! Die Aueführungen, mit walchen ich meine Tätigkeit auf dem Ludwig Philippson-Lehrstuhl für jüdische Geschichte einleiten will, haben nicht ein bestimmtes Thema meines Fachgebiets zum Gegenstand, sondern behandeln einige -propädeutische Fragen, die in unmittelbarer Verbindung mit den T.on mir für dieses Semester angekündigten Vorlesungen stehen. Es scheint mir vor allem nötig, dass wir uns von vornherein darüber klar zu werden versuchen, was wir in gemeinsamer Arbeit erreichen wollen; keine Sammlung von Blättern, auf denen man schwarz auf weiss nach Hause trägt, was man von der Vergangenheit zu erzählen weiss: dass die alten Israeliten gewandert sind und sich angesiedelt haben, dass ihre Wohnsitze sich verschoben, dass sie Städte zerstört und Städte gebaut, Kriege geführt, sich Gesetze gegeben haben, dass sie vorgestern vortrefflich und gestern orbärmlich gewesen sind, und was sonst noch alles zu erzählen ist. Gewiss ist all' dies, ist jede Notiz, die wir von der Vergangenheit auffinden und sichern können, wichtig, und wenn es im allgemeinen in der Geschichte darauf ankommt, das Gleichgültige und Nebensächliche zu unterdrücken, um das Wesentliche um so greifbarer hervortreten zu lassen, so werden wir diesen Grundsatz auf die jüdische Geschichte kaum anwenden dürfen, weil uns im ganzen zu wenig überliefert und deshalb auch das Unwesentliche von Wert ist. Auch dann muss jedoch in der Darstellung wenigstens das verschiedene Gewicht der Tatsachen gebührend hervortreten; die Hauptsache aber: die Notizen sind nicht nur aneinander zu reihen, sind nicht als etwas, was man sich erzählt, zu betrachten und zu behandeln, sondern als Abspiegelungen eines in seiner Art organischen Lehensvorgangs. Die Notizen stehen nicht nur neben- und nächst