Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1912
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
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— 69 — Es war Philippson nicht mehr vergönnt, die Saat, die er ausgestreut, aufgehen, die Anstalt jenen Aufschwung nehmen zu sehen, der eine volle Durchführung ihrer Aufgahen ermöglichte. Sie machte gerade während seiner letzten Lebensjahre eine schwere Krisis durch, ihre Mittel versiegten, ihr Fortbestehen war gefährdet, erst später setzte jene allgemeine Teilnahme und tatkräftige Förderung ein, der wir uns heute erfreuen, die unserer Wissenschaft eine aussichtsreiche Zukunft verheisst. Ludwig Philippson ist durch einen plötzlichen Tod am 28. Dezember 1889 wie der gesamten Judenheit so auch unserer Anstalt entrissen worden. Sein Geist aber lebte fort in unserer Mitte, jahrelang hat einer seiner Söhne, zuletzt als stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums, in seinem Sinne für die Anstalt gewirkt. Auch sein Name blieb mit ihr verknüpft durch die hochherzige Stiftung, die ein anderer seiner Söhne aus Anlass des 25 jährigen Bestehens der Anstalt an ihr errichtet hat. In Zukunft wird nun auch sein Bildnis diesen Saal zieren, es wird ein steter. Hinweis auf seine Leistungen und auf seine Bestrebungen sein; eine Mahnung, in seinem Sinne für Ehre und Freiheit des Judentums einzustehen, in seinem Sinne die Lehre des Judentums in ihrer Reinheit zu erforschen und darzustellen, die Judenheit mit Begeisterung für ihren weltgeschichtlichen Beruf zu erfüllen, in seinem Sinne, nach ihren Voraussetzungen freie, in ihren Resultaten unabhängige Wissenschaft zu pflegen und zu fördern, zu objektivem Forschen in den Quellen der Erkenntnis hinzuführen, aber auch die Ergebnisse der Wissenschaft hinauszutragen, volkstümlich zu machen und durch sie auf das Leben, auf den Fortschritt der Menschheit Einfluss zu gewinnen. Lernende und Lehrende werden zur Gestalt Ludwig Philippsons mit Dank und Verehrung aufblicken, und so wird sein Name fortwirken und Segen stiften für und für!