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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1911-01-01 · 1911 · page 64

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1911
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 64)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273603--1614-2275398
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— 64 — lichung des Planes nicht auf. Er vertrat ihn auf den Rabbinerversammlungen. Er suchte die Fränckel'schen Testamentsvollstrecker in Breslau dafür zu gewinnen; es gehörte zu den schwersten Enttäuschungen seines Lebens, als dort das jüdischtheologische Seminar ins Leben gerufen, ihm aber eine Lehrstätte nicht eingeräumt wurde1). Auch später in Frankfurt ward dem Plane keine Erfüllung2). Es fehlte auch diesmal an dem Verständnis und der begeisterten Zustimmung begüterter Glaubensgenossen. Da, als Geiger auf der Synode zu Leipzig 1869 erneut seine Anregung vorbrachte3), traf er mit den Vorbereitungen zusammen, die in Berlin zur Gründung der „Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums" getroffen wurden. War es auch nicht das Ideal einer Fakultät an einer Hochschule, wie es ihm vorgeschwebt hatte, so sollte doch die Anstalt im engsten Zusammenhange mit der Universität wirken. Ihre Richtung sollte eine streng-wissenschaftliche sein, nach keiner Seite hin durch religiöse Ueberzeugungen gebunden, die von vornherein ihre Voraussetzungen als unverbrüchlich und massgebend aufstellten, getreu der Meinung Geigers „Die Wissenschaft muss frei sein und darf nicht einer einzelnen Richtung zu eigen gegeben werden"4). Und es eröffnete sich ihm selbst die Möglichkeit, an dieser Anstalt mitzuwirken. Die Berliner Gemeinde wählte ihn 1869 zu ihrem Rabbiner. Es soll ihm unvergessen bleiben, dass er die Uebernahme des angesehenen Amtes abhängig machte von der Uebertragung einer Lehrtätigkeit an der neuen Hochschule. „In fruchtbarer Weise, durch die Anleitung von Jüngern der Wissenschaft, durch die Anbahnung einer Israel und der Menschheit heilbringenden theologischen Erkenntnis dort wirken zu können", so schreibt er dem Vorstände der jüdischen Gemeinde, „ist das entscheidende Moment, welches mich zu einem Wechsel der amtlichen Stellung bestimmen kann"5). So ist Geiger bei der Eröffnung unserer Hochschule 1872 in ihren Lehrkörper ein- *) Leben und Lebenswerk, S. 124 ff. 169. 2) Vgl. das., S. 192*; Jüd. Zeitschr. III, 8. 264. 8) Jüd. Zeitschr. VH, S. 166. 4) NachgeL Sehr. V, S. 326. 8) das., S. 824.

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