Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
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1. Rede des Dozenten Dr. Ismar Elbogen. Hochgeehrte Versammlung! Wenige Tage noch; und hundert Jahre sind vollendet, seitdem Abraham Geiger geboren ward. Hundert Jahre! Und doch ist es, als weilte er noch lebend unter uns, noch wirkt sein Geist mächtig fort, noch tobt der Kampf um seinen Namen, und heute wieder ist er mehr umstritten als seit langer Zeit! Hundert Jahre erst, noch weilen unter uns die Zeugen seines irdischen Wirkens, — und doch hat Abraham Geiger bereits seinen festen Platz in der Geschichte, als eine der markantesten Erscheinungen in der Judenheit des neunzehnten Jahrhunderts, als einer von denen, die nicht nur in der Geschichte geforscht, sondern selbst Geschichte gemacht haben, als einer, der mit fester Hand in die Entwicklung des Judentums eingegriffen hat, ohne dessen Wirksamkeit die Gestaltung unserer Gegenwart gar nicht zu denken ist. Ein vorbildlicher Lehrer, ein Fürst der Wissenschaft, ein unermüdlicher Vorkämpfer für Freiheit und Recht, für Fortschritt und Aufklärung. Wer Ewigkeitswerte geschaffen hat, wie Abraham Geiger, hat Anspruch auf den Dank aller Zeiten; in unserem Kreise gebührt dem grossen Lehrer besonderer Dank. Diesen Gefühlen der Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen, haben wir uns heute vereinigt. Lassen Sie uns daher, was bleibend, was geschichtlich ist am Lebenswerke Geigers, und was er dieser Anstalt insbesondere jgewesen, in grossen Zügen hier betrachten.