Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- 9 — Auch in diesem Winter gelang es uns wieder, durch Abendvorlesungen von allgemeinerem Interesse weitere Kreise heranzuziehen. Das Mitglied unseres Kuratoriums, Herr Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Ludwig Geiger, hatte die grosse Freundlichkeit, eine Vorlesung an unserer Anstalt über „Die Juden und die deutsche Literatur" zu halten. Unsere Mitglieder setzten wir wiederum durch besondere Einladungen von diesen Vorlesungen in Kenntnis und gewährten auch Kichtmitgliedern gegen besondere Eintrittskarten den Zutritt. Wir haben die Freude zu berichten, dass unserer Einladung eine grössere Anzahl von Zuhörern gefolgt ist. Ebenso fand die Abendvorlesung des Herrn Dr. Freund über: „Staat, Kirche und Judentum in Preusseu" allgemeines Interesse auch ausserhalb des Kreises unserer Hörer. Im Sommer-Semester hielt Herr Dr. phil. et theol. Emil G. Hirsch, Professor an der Universität Chicago und Rabbiner der Chicago Sinai-Gemeinde, ein ehemaliger Hörer unserer Anstalt, einen Cyclus von Vorträgen über das Judentum in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Vorträge behandelten: 1. Die Einwanderung der Juden in Amerika, ihre staatliche und gesellschaftliche Stellung. 2. Organisation des amerikanischen Judentums; die religiösen Parteien. 3. Der amerikanische Rabbiner und seine Wirksamkeit. 4. Gemeinnützige jüdische Anstalten; Ziele der jüdischen Wohlfahrtsbewegung in Amerika. — Verhältnis von Synagoge und Kirche. — Die Vorträge, ausgezeichnet durch ihre inhaltliche Bedeutung wie durch Anmut der Form haben unseren Studierenden sowie einem zahlreichen Publikum zum ersten Male ein klares Bild vom Leben unserer Glaubensgenossen in Amerika gegeben. Wir hatten auch die Genugtuung, dass die führenden Tageszeitungen in genauen Berichten von den einzelnen Vorträgen Mitteilung machten. Die Vorträge des Herrn Professor Hirsch waren auf die Hörer von tiefgehender Wirkung. Sind doch in Amerika Probleme, an deren Lösung wir nur ängstlich herangehen, anscheinend ohne Schwierigkeit, wenn auch nicht selten unter Zerreissung des historischen Fadens