Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
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— 74 — moinen, ihrenmodernenfortschrittlichenGeist (1 ad u r c h zu dokumentieren, dass sie auf die „Judensch u 1 e" herabsehen. Er kannte den grossen Nutzen und Wert der jüdischen Wissenschaft für die all gemeine Wissenschaft, er wusste auch, dass noch viele Schätze in der jüdischen Religionslehre und Literatur vergraben sind, deren Aufdeckung zu mancher neuen Erkenntnis führen würde; er wusste, welchen grossen Anteil die Juden zu allen Zeiten an den grossen kulturellen Umwälzungen genommen haben, und er erachtetees als eine Pflicht der Kulturgeschichte gegenüber, den Allteil der Juden am Aufbau der Weltkultur in das richtige Licht zu stellen. So trat er in das Kuratorium unserer Lehranstalt ein und; war ■ ihr im Leben ein treuer Berater und eifriger Mitarbeiter; als Schriftführer und Bibliothek- Kommissar leistete er Verdienstliches. Die Montags-Vorlesungen sind währeud der vergangenenen Jahre hauptsächlich von ihm veranstaltet worden. So wurde in ihm der Wunsch immer reger, immer lebhafter, unserer Lehranstalt eine festere materielle Grundlage zu geben, damit sie im Stande sei, ihren wachsenden Aufgaben zu genügen. In ihr soll die Wissenschaft des Judentums im Zusammenhang mit der allgemeinen Wissenschaft gepflegt und gelehrt werden. Die Zöglinge der Lehranstalt sollen mit, den spezifisch jüdischen Fächern ebenso vertraut gemacht werden, wie mit den geschichtlichen und kulturellen Beziehungen des jüdischen Volkes zu anderen Kulturvölkern. Nur auf diese Weise kann sie ihre Zöglinge dazu erziehen, ihre Pflichten --sowohl dem Judentum als auch der allgemeinen Kultur und Bildung gegenüber richtig zu erfassen und zu erfüllen und Leistungen hervorzubringen, die einen angesehenen Platz in der allgemeinen Wissenschaft beanspruchen dürfen. * Er dachte sich unsere Lehranstalt als die künftige hohe Warte, von der aus die religiösen und ethischen Wahrheiten des Judentums nicht nur den Juden allein verkündet werden sollen, und er glaubte fest daran, dass aus dieser Lehranstalt Männer hervorgehen werden, die ihre Gemeinden im Geiste der Propheten belehren und die Jugend im Sinne des wahren Judentums unterrichten werden. Ihm schwebte jenes Rabbiner-Ideal vor, das er in dem Milieu, in dem er aufgewachsen war, kennen gelernt hatte, Rabbiner, die grosse Gelehrsamkeit mit grosser Charakterstärke verbanden, Persönlichkeiten von würdiger,, vor-