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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1905-01-01 · 1905 · page 4

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1905
Date
1905-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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- V „seiner. Bücher sehe, blutet mir das Her/., und all der „Gram erwacht aufs neue. Mit einem Worte, ich werde „um meinen Liebling trauern, bis mich das Grab mit ,.ihm vereinige. Hätte ich nicht die Tora, die mein „Ergötzen ist, und nicht die Wissenscharten, die meinen „Kummer mich vergessen machen, so müsste ich in „meinem Leid zu Grunde gehend Als Mose h. Mahnen diese Zeilen schrieb, in denen jedes Wort von dem verhaltenen Schluchzen eines unheilbaren Schmerzes zittert, waren seit dem harten Verluste, der ihn betroll'en, acht Jahre verflossen. Seit dem Tode meiner Dinka sind kaum acht Wochen dahingegangen. In diesen schweren Tagen war mir die Beschäftigung mit dieser Arbeit ein wehmutsvoller Trost. Wio oft haben die Sittenlehren, die hier von den besten Söhnen unseres Volkes vorgetragen, von ihrem berufensten Jünger erläutert werden, wie oft haben sie mir das Bild der Verklärten vor die Seele treten lassen; wro vieles habe ich in seinem liefern Sinne erst begriffen, in seinem vollen Umfang erst erfasst, wenn ich mir vor Augen führte, wie es sich in ihr verkörpert hatte. — Sio war die Tochter des Babbiners Dr. Benjamin Friedmann s. A., sein einziges Kind, dessen vorzügliche Anlagen durch die liebevolle Sorgfalt dieses ebenso edlen und frommen wie gelehrten und hochbegabten Mannes zu köstlichster Entfaltung gebracht wurden. Bio Natur hatte sie mit nahezu klassischer Schönheit und vollendeter Anmut ausgestattet; herrlicher aber als-die irdische Hülle war die Seele, die in diesem Körper wohnte. In ihr verband sich sonniger Frohsinn mit einem tiefen und reichen Gemütsb'ben, heroische Seelenstärke mit zartester Herzensgute, vornehme Gesinnung mit gewinnender Freundlichkeit und hingebender Anhänglichkeit, gereifte Einsicht mit kindlicher Frömmigkeit, gediegene Bildung und umfassendes Wissen mit keuscher Bescheidenheit und rührender Anspruchslosigkeit. Sie war, eine überzeugte Bekennerin des Judentums und eine glühende Verehrerin seiner Lehre und seiner Wissenschaft, deren Pforten auch ihren Kindern zu erschliessen, der sehnlichste Wunsch und das eifrigste Bsmühen ihrer letzten Jahre war. Sie wurde am Versöhnungstage des Jahres 5031 geboren und starb vor etwa zwei Monaten, 34 Jahre alt, in der Nacht

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