Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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— V — Einen kleinen Beitrag zu dieser gewaltigen Aufgabe will die vorliegende Abhandlung liefern. Weder konnte sie das tiberreiche Material vollständig benutzen noch die einschlägigen Probleme erschöpfend behandeln. Erst wenn der überwältigende Stoff gesichtet, die einzelnenProbleme nach allen Seiten gründlich erforscht sein werden, erst dann" wird man an eine umfassende Behandlung der Materie gehen können, erst dann werden so abschliessende und apodiktische Urteile über die Zeit gerechtfertigt sein, wie sie von der Quellen unkundigen Beurteilern schon heute gefällt werden. Auch von der Aufstellung eines Systems, von der Einordnung in einen religionsgeschichtlichen Zusammenhang ist hier Abstand genommen; dazu ist der Gegenstand noch lange nicht reif. Es müss die nächste Aufgabe bilden, den Tatbestand, der ja völlig unbekannt ist, festzustellen und zu klären, und erst wenn diese Vorarbeit erledigt ist, wird er mit parallelen Erscheinungen verglichen und in Beziehung gebracht werden können. Die vorliegende Abhandlung ist aus Vorlesungen entstanden, die ich unter dem Titel „die Eeligion der Pharisäer" im Sommer- Semester 1903 für Studierende aller Fakultäten an unserer Lehranstalt hielt. Bei dem weit verbreiteten Interesse für den Gegenstand und dem Mangel an Darstellungen des pharisäischen Judentums, die von dem Einfluss der neutestamentlichen Vorurteile sich frei gehalten haben1), erschien es mir geboten, einen Teil der Vorträge durch denDruck einem weiteren Kreise zugänglich zu machen. Ihrem ursprünglichen Zweck entsprechend sollen dieselben weniger gelehrte Auseinandersetzungen als gesicherte Eesultate der Forschung enthalten. Ebenso wenig gehen sie darauf aus Neues zu bringen; das Gute ist überall, wo es sich eignet, von anderen Autoren unbedenklich übernommen worden. Die reichste Anregung verdanke ich, neben den bereits genannten Verfassern, S. Schechter und H. Cohen, deren vortreffliche Aufsätze weit mehr Verbreitung und Würdigung in unseren Kreisen verdienten, als sie bisher gefunden haben. Auch aus den Werken von Schürer und Bousset habe ich vielfach Belehrung gewonnen. ') Nicht nur theologische Autoren, auch ein Historiker wie Mommsen steht auf dem Boden des Neuen Testaments in seiner Beurteüung des Judentums; darüber hat jüngst H. Vogelstein in der Allgemeinen Zeitung des Judentums, 1904, S. 103 ff. gehandelt,