Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 19.1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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- 39 - dann kam der Prediger auf den Perikopentext zurück, um* ihn in traditioneller Weise zu erklären. Aber auch das erweiterte Proömium genügte später nicht mehr dem rednerischen Trieb und Drang des Predigers. Je mehr die rhetorische Kunst des Predigers zunahm, desto mehr wuchs das Verlangen nach ihrer Bethätigung auf dem Gebiete, das allein ihr offen stand, nämlich auf dem des Proömiums. Zwar hatte auch schon das erweiterte Proömium dem Prediger Gelegenheit geboten, das Thema mit allen Mitteln rhetorischer Kunst zu entfalten, es durch Zitate zu belegen, durch Gleichnisse zu veranschaulichen, durch Erzählungen in seiner Anwendbarkeit auf das Leben aufzuzeigen; aber der homiletische Zwang, zur Perikope zwecks ihrer Ausleguug zurückzukehren, der in dieser Entwickeluugsperiode noch von keinem durchbrochen wurde, bannte doch sein Können in zu enge Grenzen, als dass er sich selbst mit dieser erweiterten Form des Proömiums zufrieden geben sollte. Darum sehen wir ihn zu einem weiteren Ausbau desselben in dem zusammengesetzten Proömium fortschreiten. Diese Form gestattete eine doppelte und mehrfache Auslegung des Proömialtextes, so dass sich aus demselben zwei oder mehrere Themata ergaben, die er in verschiedener, bald einfacher, bald erweiterter Weise bearbeitete und auf einander folgen Hess. So z. B. im Proömium 49 3, wo er in Anknüpfung an Gen. 18,17 und 18 den Proömialtext cy*Tin!? •Jinai VHvh 71 HD zuerst auf das Gebot der Beschneidung, sodann auf das Strafgericht Sodom's deutete und jede dieser Deutungen in rhetorischer Weise die eine weniger, die andere mehr ausbaute. Aber es war bei dieser Form auch schon dadurch eine grössere homiletische Freiheit gewonnen, dass sich der Proömialtext, selbst wenn nur ein einziges Thema aus ihm geschöpft wurde,durch historische Spezialisierung und Individualisierung in vielfacher Weise verwerten liess. Die abstrakte Wahrheit des Textes wurde in diesem Falle durch konkrete Beispiele veranschaulicht, als welche einzelne Personen oder Gruppen der biblischen, seltener der jüdischen Geschichte herangezogen wurden. So z. B. im Proömium 27 j, wo in Anknüpfung an Gen. 6,5