Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 19.1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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Predigten Aber dieselbe Perikope unterschied, während die Perikopen-Auslegung, als der traditionelle und darum unabänderliche Teil in allen Predigten sich gleichblieb1), so stellte er von allen Predigten, die er zu einer Perikope vorfand, die Proömieh neben einander und liess ihnen darauf die gemeinsame Perikopen-Auslegung folgen. Den Epilog behielt er nur in wenigen Fällen bei; zumeist, besonders bei den Predigten aus der älteren Zeit, deren Epilog (moct*) oft in gar keinem Zusammenhange mit der Predigt stand, und darum den verschiedensten Predigten zum Abschluss dienen konnte'), liess er ihn weg und setzte eine Ueberleitung zur 'nächstfolgenden Perikope an dessen Stelle. Hieraus ist aber die Form der Predigt in der zweiten Periode ihrer Entwickelung, d. h. von der Zeit an, wo das halachische Exordium beseitigt war, klar ersichtlich: Die Predigt bestand aus dem Proömium, aus der darauffolgenden Perikopen-Auslegung uud dem abschliessenden Epilog.; Der Prediger war durchdrungen von der Ueberzeugung, dass die Weltanschauung der Bibel in allen ihren Teilen eine einheitliche sei, und dass sie daher in allen ihren Erzählungen und Aussprüchen dieselbe Gottesvorstellung und dasselbe menschliche Ethos wiederspiegele. Daher suchte er für das Thema welches die Perikopeüber die er zu predigen hatte, je nach seiner Auffassung von derselben, ihm darbot, nach einem entsprechenden Ausdruck in der Schrift, in dem es möglichst ») Vgl. Maybaum. Jüdische Homiletik etc. Berlin 1890 S. 8*. 2) Eben weil die Perikopen Auslegung sich in alter Zeit noch Vers um Vera an das Schrift wort hielt und daher im Thema jeden Augenblick wechselte und keinen einheitlichen Gedanken behandelte, konnte sich der Epilog nicht immer logisch aus dem Perikopeninhalt entwickeln; er musste oft ein oratorisches Gebilde für sich sein und könnt« dann zu ganz verschiedenartigen Predigten als Schluss verwendet werden. So ist der Ausdruck neen n»^ nop 'ho -1 zu verstehen. Von der statutarischen _ Predigt wird dann Einrichtung und Ausdruck für Kasualien entlehnt worden sein, so für die Abschiedsrede und die Leichenrede. VgL Zaus G. V.x 369.