Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 19.1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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— 26 — nur insofern als Autoren dieses Proomiums gelten können, als die Verwendung desselben zur Auslegung eines andern Perikopcntextes und die dem entsprechende Umstellung der einzelnen Glieder des Proomiums von ihnen herrühren1). Aber diese Thätigkeit genügte auch schon, um das Recht der Autorschaft zu begründen. Bestand ja auch bei dem durch ein Zitat erweiterten Proomium die Thätigkeit des Predigers oft blos darin, dass er die von einem andern herrührende Erklärung seines Proömialtextes dazu benutzte, um den so in diesem aufgezeigten Gedanken auch in seinem Perikopentexte nachzuweisen: um wie viel mehr durfte sich hier der Prediger als Autor fühlen, da er unter den verschiedenen Erklärungen seines Proömialtextes, die er zur Steigerung des homiletischen Interesses allesamt autführte, diejenige herausfand und als Schlusseffekt benutzte, welche zu dem Perikopentext, von dem er ausgegangen, in Beziehung stand. ' Indessen können diese im ganzen nur wenigen Fälle als Ausnahmen angesehen werden. In den weitaus meisten Fällen entfaltete der Prediger bei dem zusammengesetzten Proomium nicht blos eine ordnende sondern vielmehr eine schöpferische Thätigkeit. Wir halten nämlich die einzelnen Glieder des zusammengesetzten Proomiums, welche vermittels der Formel k*v) aneinander gereiht sind, nicht für die Auslegungen verschiedener Autoren, die dem Prediger nicht mehr bekannt waren, und die er zum Aufbau seines Proomiums benutzte, sondern für seine eigenen Schöpfungen, die er durch die Formel tn als Variationen in der Auffassung eines und desselben Textes kennzeichnete. Dafür spricht vor allem der Umstand, dass das h*T ») Vgl Theodor. Mschr. 1879 S. 277. 2) Die Formel kt dient freilich auch noch zur Kennzeichnung der Unterabteilungen in den einzelnen Auslegungen eines ProSmiums, wie im Kap. 27 a, so dass hiernach für die Formel nrt ein dreifacher Gobrauch nachgewiesen ist, denn sie diente nicht blos dem Prediger in den hier genannten Fällen, sondern auch, wie bereits erwähnt, dem Sammler als Tronnungsformel bei der Aneinanderreihung verschiedener ProSmien, die ' er zu einem und demselben Perikopentexte zusammenstellte.