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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1899-01-01 · 17.1899 · page 49

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
17.1899
Date
1899-01-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273579--0670-2274442
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— 14 — Worte des Dankes und Abschieds, . gesprochen an der Bahre des Herrn Prof. Dr. Hajira Steinthal im Namen der Hörer der Lehranstalt von Dr. Joseph. Hochgeehrte Trauerversammlung! Tiefe'..Bekümmernis im Herzen, umstehen auch wir, die Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft' des Judentums, die Bahre unseres grossen Meisters. Welche innige Befriedigung erfüllte unsere Seele, so oft wir in den letzten Jahren bei einem sich darbietenden freudigen Anlass im Hause des teuren Lehrers erscheinen durften, um Zeugnis abzulegen von der Liebe und Verehrung, die wir für ihn empfanden. Nun ist er dahingegangen, nun ist er uns entrissen, und wir fühlen, vom Schmerz bewältigt, mit erschütternder Klarheit die ganze Schwere des Verlustes! der uns getroffen hat. Wohl wissen wir, dass nicht wir allein ihn verloren haben, weil sein weites ausgedehntes Schaffen nicht uns allein gewidmet war. Wohl wissen wir, dass die verschiedensten Gebiete der Geisteswissenschaft dur.ch seine an Ertrag so reiche Forscherthätigkett mannigfache Förderung erfahren haben, ob wir auch weder den Beruf noch die Fähigkeit in uns fühlen, nur annähernd zu würdigen, was der Name eines Steinthal für die allgemeine Sprachwissenschaft, die Psychologie und die Ethik bedeutet. Uns erfüllt es vielmehr mit Stolz und mit Ehrfurcht, aus dem Urteil der wenigen hierzu Berufenen die feste Ueberzeugung gewonnen zu haben, dass dieser Name für alle Zeiten einen Ehrenplatz in der Geschichte der Wissenschaft behaupten wird. Allein wie berechtigt die Trauer weiter Kreise um den grossen Toten auch sein mag, die Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums werden seinen Heimgang doppelt schwer empfinden müssen. Denn uns galt sein heiligstes Schaffen, uns offenbarte er sein innerstes Fühlen, seinen tiefgründigen Glauben an die Wirklichkeit des Guten und Idealen in Welt und Menschheit. < Wir haben es stets als das höchste Glück für unsere geistige Entwickelung betrachtet, dass die ausgebreitete wissenschaftliche Thätigkeit unseres verehrten Lehrers von religiösem Geiste getragen und ganz durchdrungen gewesen ist. Mit beseligendem Vertrauen musste es uns erfüllen, dass all sein Denken und Forschen in einen erhabenen religiösen Idealismus mündete und in der Beleuchtung des Wesens und der Geschichte der Religiun die herrlichsten Blüten trieb. Ob er die Methoden einer sirengen philologischen Kritik auf die Erklärung des heiligen Bibelworls anwendete oder mit feinsinnigem ästhetischem Empfinden die Schönheit und Poesie der Bibel aufzeigte, ob er die Ergebnisse der mythologischen Wissenschaft für die Urgeschichte des israelitischen Volkes fruchtbar zu machen suchte oder auf Grund einer tiefeindringenden psychologischen Analyse über das Problem der Prophetie neues Licht verbreitete, — überall öffnete sich ihm ein Weg zur Religion und zum Judentum. Diese enge Verbindung von Religion und Wissenschaft, wie sie unserer Lehranstalt seit ihrer Begründung als Ideal vorschwebt, wir haben sie vor allem in ihm verwirklicht gesehen.

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