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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1899-01-01 · 17.1899 · page 46

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
17.1899
Date
1899-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273579--0667-2274439
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— 11 — Zur Erinnerung an Steinthal. --- Trauer-Rede, gehalten an der Bahre des verewigten Prof. Dr. Hajim Steinthal, Dorenten un der Lehranstalt für «1k- Wissenschaft .les Judenthums, am 17. Marz 1899 Von Rabb. Dr. S. Maybaum. ,"3« Trr <3 'am "h» TOD. Ach, wende Dein gnadenreiches Antlitz mir zu, da ich vereinsamt und verarmt bin!", so betet an diesem Sarge mit den bekümmerten Hinterbliebenen unsere trauernde Gemeinde zu Dir, Allvater, dem Tröster in allem Leide. Sie wusste, was sie an ihm, dem Verklärten, besass, sie liebte, sie verehrte ihn als ihren grossen Sohn, darum trauert sie um ihn wie um einen Einzigen, und wie der Hirsch nach Wasserbuchen schreit, so schmachtet ihre Seele nach Deinem Tröste, o Gott! O, so sei uns hier nahe mit Deinem Friedensgedanken! Lass aus dieser Trauerleier Segen erblühen für diese Trauergemeinde, auf dass sie erkenne, beherzige und bethätige. was dieser Verklärte durch sein ganzes Leben bezeugt hat, nämlich die Wahrheit des Schriitwortes: r,m jpö HCl HD2n wn 71 HHV p Siehe, die Furcht des Herrn ist Weisheit, und das Böse meiden ist Vernunft." Amen! Andächtige Trauergemeinde! Wie einst der Prophet Elisa, als sein Lehrer und Meister von ihm genommen wurde, also brechen auch wir an dieser Bahre in die Klage aus: rMein Vater, mein Vater, Wagen Israels und seine Reiter!" 'Denn auch uns ist der prophetische Meister .entschwunden, nur der Mantel, seine entseelte Hülle, ist uns zurückgeblieben. Er war ja durch taxisend Bande der Liebe und der Freundschaft mit uns verknüpft, wie sollte da die Trennung nicht schmerzen, wie sollte der Blick ins Leere uns nicht ängstigen! Von Jugend auf lebte er in unserer Mitte, hier stieg er von Stufe zu Stufe zu den Höhen der Wissenschaft hinan, bis dass er als ein weithin leuchtender Stern am Himmel der deutschen Forschung erglänzte. Und ob er auch durch das Licht seines Geistes den weitesten Kreisen neue Bahnen der Erkenntnis aufzeigte, so war er doch auch unser, nicht blos in dem Sinne, dass wir uns in ihm spiegeln durften, sondern „unser" mit seinem Geiste und mit seinem Herzen. Aus einem frommen, altjüdischen Hause hervorgegangen, und von dem Landrabbincr seiner Heimat in das Verständnis der heiligen Schrift und ihrer Kommentare eingeführt, hat er sich nicht blos die Liebe zu dem heiligen Gottesbuche sein Leben lang bewahrt, sondern auch den Gottesglauben seiner Kindheit sich erhalten. Sein Glaube war mit ihm hindurchgegangen durch alle die verschlungenen Wege der Forschung und des Zweifels, und er hatte dabei nur gewonnen an beseligender Kraft und Innigkeit Das war freilich kein Glaube an eine äussere Autorität, an Buchstaben und Satzung, sondern ein Glaube an den Gott in der Brust und in der Geschichte, an den Gott des Himmels und der Erde, in dem wir leben und weben, an den Gott, der uns durchleuchtet durch seinen Geist, und uns läutert durch seine Liebe.

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