Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 17.1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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Der schwere Augenblick der Trennung, den bange Sorge immer näher kommen sah, ist Wirklichkeit geworden. Unser geliebter und verehrter Lehrer und Meister* Professor Hajim Steinthal, ist am 14. März 1899 sanft entschlaien. i In*<len weiten Kreisen der allgemeinen Wissenschaft, in dem engeren Kreise der Wissenschaft des Judenthums, überall in der ganzen Welt, wo jüdisches Leben pulsirt, ist die Trauerkunde mit wahrhafter und warmer Theilnahme vernommen worden: der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums hat unser Professor Steinthal ungetheilt, mit allen seinen Geistesgaben, mit seiner ganzen klaren und innigen Herzensweisheit u mgehört. Ein Ereigniss, schwerer und schmerzlicher als sein Heimgang, ist — das empfinden wir Alle, Curatoren, Lehrer und Hörer — in der Chronik unserer Lehranstalt nicht verzeichnet. — Professor Steinthal ist Einer der fünf Männer, welche vor dreissig Jahren die Begründung der Hochschule unternommen und zu gutem Ende geführt haben: nun ist er, der Erste von ihnen, in seinem 76. Lebensjahre von seinem Werk abberufen worden. Seit der Eröffnung der Hochschule hat Professor Steinthal dem Lehrercollegium angehört: er war dessen erster Vorsitzender im Anfangsjahre (1872) und er hat auch im Jubiläumsjahre (1897) das Lehrercollegium vertreten. Seine Festrede war gewissermassen sein öffentliches Testament an unsere Lehranstalt. Wir wollen es als eine gütige Fügung preisen, dass unserer Lehranstalt der gottbegnadete Mann beschieden gewesen ist. Die Kundgebungen am Grabe des Verewigten, welche ihm Dankbarkeit und Verehrung gewidmet haben, bezeugen was er uns war und wie er für uns gewirkt hat; sie werden mit diesem Bericht „zur Erinnerung an Steinthal" den Nachkommenden aufbewahrt. Sein gesegnetes Andenken wird in unserer Lehranstalt immerdar lebendig bleiben! Ueber das Berichtsjahr 1898 geben die folgenden, in gewohnter Weise angeordneten Daten nähere Auskunft: gern und dankbar erkennen wir in den ausserordentlichen Einnahmen dieses Jahres ein Zeichen der wachsenden Theilnahme für unsere Lehranstalt. Ebenso hoffen wir, dass die Nachricht betreffend die Einrichtung eines Lehrcursus für den Religionsunterricht in höheren Schulen von unseren Wohlthätern beifällig aufgenommen werden wird. In der ordentlichen Generalversammlung (am 24. April 1898) sind, nach Erstattung des Curatorium Verwaltungsberichtes und Ertheilung der Decharge, die nach dem Turnus ausscheidenden Mitglieder des Curatoriums Prof. Dr. M. Lazarus, Dr. Paul Meyer und Comm.-Rath B. Simon ' wiedergewählt worden. Zum grossen Bedauern seiner Collegen hat Herr Dr. Felix Landau wegen gehäufter Berufegeschäfte sich gezwungen gesehen, aus dem Curatorium, dem er seit 1887 angehört hatte, auszuscheiden. Er hat uns durch seinen nie versagenden, sachverständigen Beistand und Rath zu grossem und dauerndem Dank verpflichtet. — Unserem Collegen, dem Commerzienrath Berthold Simon, welcher dem Curatorium seit Begründung der Hochschule angehört, konnten am 9. December zu'seinem 70. Geburtstage Curatorium, Lehrercollegium und Hörer der Lehranstalt ihre Glückwünsche darbringen. Mit dem im Wintersemester 1898/99 an unserer Lehranstalt zum ersten Male abgehaltenen Lehrcnrse Lehrcursus behufs Vorbereitung und Ausbildung von academisch gebildeten Lehramts-Candidaten Rel^fpM. zur Ertheilung von Religionsunterricht an höheren .Lehranstalten, hat die Lehrtätigkeit an Unterricht unserer Lehranstalt eine praktische Erweiterung erfahren, die in ihrem Endziele gerichtet ist gegen