Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 17.1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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— 32 — Obgleich das siderisehe Jahr eine ewig sieh gleich bleibende Grösse ist, eignet es sich doch zum allgemeinen bürgerlichen Zeitmaass ebensowenig wie der gleichfalls unveränderliche Werth des Sterntages (S. 13). Als Quelle des Lichtes und der Wärine beherrscht die Sonne alle Bedingungen und Verhältnisse unseres Lebens in dein Maasse, dass wir für unser Tagewerk einer Zeiteinteilung bedürfen, die sich dem Wechsel der Tages- und Jahreszeiten aupasst. Dieser Forderung entspricht weder die wahre Umlaufszeit der Sonne noch die Umdrelumgszeit der Erde. Infolge des Vorrückens der Sonne in der Ekliptik ist der Zeitraum zwischen zwei aufeinanderfolgenden Kulminationen derselben oder der Sonnentag stets länger als der Sterutag, wie infolge des Zurüekweichcns des Fndilingspuuktes (Einl. S. Ii) das tropische Jahr oder die Zeit, welche die Sonne braucht, um zu demselben Wendekreise (tropieus) zurückzukehren, stets kürzer als das siderischo ist. Wollten wir nun, ohne diesem Umstände gebührend Rechnung zu tragen, unserm Kalender den Sterntag uud die wahre Umlauf'szeit der Sonne zu Grunde legen, so würde fortwährend der Aufaug des Kalendertages In eiue immer frühere Tageszeit, der Anfang des Kalenderjahres in eine immer spätere Jahreszeit fallen. Machen wir dagegen den Sonnentag und das tropische Jahr zur Grundlage unserer Zeitrechnung, so ist diesem Uebelstaude abgeholfen. Wir können dann ohne Weiteres auf Jahre hinaus unseru Arbeitsplan einrichten, denn wir kennen für jede Stunde den Stand der Sonne zu unserem Gesichtskreise und wissen für jeden Kalendertag genau, wie lange os hell, wie lauge es Nacht sein, annähernd auch, innerhalb welcher Grenzen die Temperatur sich bewegi-n wird. Allerdings ist die Präzession in steter Zunahme begriffen (s. Einl. S. 15), und es ist leicht einzusehen, dass wenn die Wendepunkte in jedem Jahre eine grössere Strecke zurückweichen als in dem vorhergegangenen, der Werth des tropischen Jahres fortwährend eine entsprechende Verringerung erleiden muss. Diese Abnahme ist indessen so geringfügig (sie beträgt noch keine volle Sekunde in ISO Jahren), dass sie kaum ins Gewicht fällt, mindestens aber der sich daraus ergebende Nachtheil von den angeführten Vortheileu reichlich aufgewogen wird, weshalb man vorgezogen hat, an Stelle des konstanten siderischen Jahres, doch lieber das tropische als Zeitmaass zu wählen. Die genaue Bestimmung seines Werthes zählte denn auch von jeher zu den wichtigsten Aufgaben der praktischen Hiinmelskuude. Der einzuschlagende Weg ist klar vorgezeichnet und scheint auf den ersten Blick ebenso leicht wie sicher zum Ziele zu führen. Die Ekliptik, in der die Sonne sich bewegt, schneidet den Aequator in zwei Punkten (s. Einl. S. 4—5). Die Sonne kreuzt daher zweimal im Laufe des tropischen Jahres den Aequator und entfernt sich darauf drei Monate hindurch von demselben immer mehr, um sich ihm während der nächsten drei Monate wieder mehr und mehr zu nähern. Mit audereu Worten: Ihre Dekliuatiou, welche in den Aequiuoktien gleich Null ist, wächst fortan mit jedem Augeublicke, bis sie in den Wendepunkten ihreu grössteu Werth erreicht. Man braucht daher nur zu beliebiger Zeit die Abweichung der Sonne zu messen und 365 Tage später auf den Moment zu achten, in welchem dieselbe wieder genau denselben Werth erlangt — und das Problem ist gelöst. Die günstigste Zeit für solche Messungen ist der Beginn des Frühlings oder des Herbstes, weil sich da die Deklination am schnellsten ändert (um 59" stündlich), die ungünstigste das Ende dieser Jahreszeiten, weil da die Abweichung so unmerklich (stündlich nur um 0,54") zu- und abnimmt, dass ein völliger Stillstand (solstitium) eingetreten zu sein scheint. Schon die Astronomen des Alterthums befolgten diese Methode, um die Dauer des tropischen Jahres zu ermitteln. Insbesondere hat sich Hipparch aus Nicäa, der Vater der wissenschaftlichen Sternkunde, trotz mancher fehlgeschlagenen Versuche mit unermüdlichem Eifer der Lösung dieser Aufgabe gewidmet. Er konnte aber bei aller Sorgfalt, mit der er zu Werke ging, nicht zum Ziele gelangen; seine Ergebnisse schwankten zwischen 365 und 365,25 Tagenl). Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, welche zur Zeit der Solstitien beobachtet hatten, l) Isaak Israeli erzahlt in seinem oSiy nia* III 2 (ed. Goldberg S. 38): (oana») n»n wpnoo ipno hssi &W>