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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1898-01-01 · 16.1898 · page 2

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
16.1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273577--0579-2274350
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Maimuni's Neumondsbereehnung. Schon in seiner Jugend, als er noch mit seinem Commentar zur Mischna beschäftigt war, fasstc Maimonides den Plan, eine Schrift über den Kalender zu verfassen. In seiner Erklärung zu Stikka IV 2 äussert er diese Absicht mit den Worten: Ueber die R'ija und den jetzt üblichen 'Ibbur werden wir vielleicht ein besonderes Werk schreiben, in welchem wir erklären werden, was den meisten Menschen verborgen ist Unter R'ija versteht er, wie aus Mischne Tora, Hil. Kiddusch ha-Chodesch VI^l hervorgeht, die sehr schwierige Berechnung der Lichtgestalt, in welcher der neue Mond schon sichtbar ist, unter 'Ibbur dagegen, wie er an derselben Stelle ausdrücklich sagt, die sehr leichte Festsetzung des Kalenders auf der Grundlage der mittleren Konjunktion. Ueber diesen Gegenstand hat er auch wirklich ausser der klaren und ziemlich ausfuhrlichen Darstellung im 3. Buche seines Mischue Tora (das. Kap. 6—10) noch eine besondere Abhandlung geschrieben, die in dem Sammelwerke nw;air.m:w, pip (Leipzig 1859, Th. 2, S. 17a—20b) unter dem Titel Ma'amar ha »ibbur abgedruckt ist; über die Methode der Neumondsberechnung aber ist eine solche nicht vorhanden, was sehr zu bedauern ist. Wohl enthält sein Kodex (das. Kap. 11—19) auch hierüber reiche Belehrung, leider aber in einer nicht sehr anziehenden Form. Entsprechend dem ganzen Charakter des grossartig angelegten Werkes, welches nur Satzungen ohne jede Begründung, ja sogar ohne Quellenangabe bietet, giebt auch dieser Theil desselben das Verfahren, nach welchem die wahren Oerter der Sonne wie des Mondes zu bestimmen und daraus die Abstände zwischen beiden Himmelskörpern nach Länge und Höhe herzuleiten sind, in trockenen Lehrsätzen uud dürren Segeln, ohne dieselben zu entwickeln. Der Leser soll alles auf Treue und Glauben hinnehmen, er soll verständnisslos mit einer Menge von Zahlen operieren, mechanisch nach einer bestimmten Vorschrift, ohne zu begreifen, warum und wieso? Seine Wissbegierde wird durch den interessanten Gegenstand mächtig augeregt und, jemehr er sich in denselben vertieft, nur desto mehr gesteigert, niemals aber gesättigt. Kein Wunder, dass er sich zuletzt nicht befriedigt fiildt und das Buch enttäuscht und voll Unniuth aus der Hand legt. -.»'•' Diesem Uebelstande suchte 'Obadja b. David durch einen ausführlichen Commentar abzuhelfen, welcher in unseren Ausgaben zugleich mit den Berichtigungen, die er in einigen Punkten von Lewi b. Chabib erfahren, der Abhandlung Maimuni's beigedruckt ist. Gleichwohl ist dieselbe ein „versiegeltes Buch" geblieben, dem auch diejenigen mit ehrfurchtsvoller Scheu aus dem Wege gingen, die sich sonst aus Verehrung für den Meister in das Studium der dunkelsten Abschnitte seines unsterblichen Werkes, vor keiner Schwierigkeit zurückschreckend, mit liebevollem Eifer versenkten. Es liegt dies zum Tbeil au der unklaren Darstellung, hauptsächlich aber daran, dass die Erklärer nur einen Theil des Schleiers lüften, indem sie statt einer ius Einzelne gehenden Begründung der ganzen von Maimonidea angewandten Methode mir das zu Gruude liegende System in grossen Zügen zur Anschauung bringen. Mit aufrichtiger Freude und grossen Hoffnungen wurde daher vor einigen Jahren von den Freunden der jüdischen Literatur das Erscheinen eines Werkes begrüsst, welches unter dem Titel: „Maimonides' Kiddusch ha-Chodesch, übersetzt und erläuter^ von Dr. Eduard Mahler" (Wien 1889) einen ausreichenden Kommentar aus der Feder eines Fachmannes versprach. Allein je höher die Erwartungen waren, die mau an diese Veröffentlichung eines verdienstvollen Astronomen zu knüpfen berechti°t war, desto grösser die Enttäuschung. Der Herausgeber scheint diese Edition nur für seine des Hebräischen unkundigen Fachgenossen berechnet zu haben, seine erläuternden Anmerkungen sind äusserst spärlich und lassen uns grade an den dunkelsten Stellen völlig im Stich. (So findet sich, um nur ein Beispiel anzuführen, zum ganze» 17. Kap., dem grössten und schwierigsten der Abhandlung, eine einzige Note von 3'/* kurzen Zeilen). Offenbar hat er die viel gediegenere Arbeit nicht gekannt, welche Herr Dr. J. Hildesheimer 8 Jahre früher unter dem Titel: „Die astronomischen Kapitel in Maimouidis Abhandlung über die Neumoudsheiligung-1 (Berlin 1S81) veröffentlicht hatte, und die . gleich der Mahler'schcn eine freie üebersetzung des Textes, aber ausserdem noch einen Auszug aus den oben erwähnten hebr. Kommentaren bietet Wenn sich auch an einigen Stellen, an denen 'Obadja missverstanden wurde, Fehler eingeschlichen haben^so waren es doch nicht diese wenigen Irrthümcr, die mich veranlasst haben, eiue neue Ausgabe von Maimuni's^£ujiiQndsberechnung zu veranstalten. Meine Absicht ist nicht die Arbeiten meiner Vorgänger zu berichtigen, sondern dieselben zu ergänzen, und zwar nach zwei Richtungen hin, nach der geschichtlichen und nach der mathematischen Seite. Der Name des Verfassers kann zwar in der Geschichte der Himmelskunde keinen hervorragenden Platz beanspruchen. Maimonidcs war kein berufsmässiger Astronom und hat wohl kaum selbst beobachtet. Aber er hat ach, wie aus mehreren Stellen seines More Nebuchim ersichtlich, sehr eingehend mit dieser Wissenschaft beschäftigt und war jedenfalls ein beachtenswerter Theoretiker. Merkwürdig ist dass er die Länge des tropischen Jahres, •welche damals (1178/ 365 T. 6 St 48 M. 50,1265 S. betrug, mit einer Genauigkeit angiebt, wie vor ihm, so weit bekannt, kein anderer uud auch nach ihm nicht einmal noch Coppernicus. Im 12. Kap. dieser Abhandlung beziffert er den Tagesbetrag der miitleren Bewegung der Sonne auf 3548,33 Bogensekunden, was einer Unilaufszeit von 365 T. 5 St 48 51. 49 59648 S. entspricht, so dass sich die Differenz nur auf Sekunde jäbrlich beläuft. Ebenso zeugt ea von gesundem'ürtheil, dass er sich nicht von der damals herrschenden und auch später noch von namhaften Astronomen i

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