Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 13.1895
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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— 57 — Einfluss im Judenthume verhängnissvoll geworden. Kein rabbanitiseher Denker gönnte nunmehr dem Kalam Einfluss auf sein religiöses Denken. Maim. hat sogar die Eintheilong der Gebote in Offenbarungs- und Vernunftgebote, trotzdem diese durch eine talmudische Aeusserung gestützt werden konnte, nachdem er die letztere umdeutete, aufgehoben und machte den Versuch, sämmtliche Gebote als Vernunftgebote darzustellen. In welchem Masse er den Kalam im Judenthume discreditirt hat, zeigen die Bemerkungen Samuel Ibn Tibbons über die Mutakallimün und über ihre verschiedenen Schulen. Nur die Karäer sind vielen Anschauungen ihrer mu'tazilitischen Lehrer treu geblieben. Ahron b. Josef und Ahron b. Elia Dem Einfluss des Maimonides haben sich auch die Karäer nicht entziehen können und so finden; wir, dass ihre religionsphilosophischen Anschauungen von den Ideen der Aristoteliker immer mehr durchsetzt werden.. Sie haben sich zwar von dem Einflüsse des Kalams nie in dem Masse befreien können, wie die Rabbaniten, denn wie es scheint, waren sie durch ihre alten karäischen Vorgänger gebunden, aber das Beispiel der Rabbaniten und besonders Maimonides wirkte in dem Masse auf sie ein, dass das Werk des bedeutendsten religionsphilosophischen Schriftstellers der Karäer, der „Lebensbaum" Ahron b. Elia's, ein seltsames Gemisch von Kalam und aristotelischer Philosophie zeigt. Dieser Einfluss lässt sich aber schon früher bei Ahron ben Josef nachweisen. Im exegetischen Werke desselben1) finden sich nämlich einzelne philosophische Excurse, in denen er in erster Reihe den alten karäischen Lehrern Josef al-Basir und Jeschu'a ben Jchuda folgt. Auf diese ist zurückzuführen seine Bemerkung2), dass in vier Fällen das Wort der Schrift in uneigentlichem Sinne3) aufzufassen sei, wenn es nämlich der sinnlichen Wahrnehmung oder der Vernunft widerspricht, wenn es durch Beweise widerlegt wird oder wenn die Analogie dagegen spricht. Diese Fälle ergeben sich aus der Annahme der fünf Erkenntnissquellen: 1) die Sinne; 2) Schluss aus der sinnlichen Wahrnehmung; 3) die Beweisführung mittelst der Voraussetzungen der Vernunft; 4) Schluss aus der Kenntniss der Ursache; 5) Schluss mittelst der Analogie. In Folge dieser Grundsätze hält er es für nothwendig, dass die anthropomorphistischen Aeusserungen der Schrift in uneigentlichem Siune anfgefasst werden. Er erwähnt die Ansicht des Jeschu'a* b. Jehuda4), der in der Erklärung des 2. Gebotes Vertreter ketzerischer Meinungen und unter diesen, diejenigen anführt, welche die Wesensattribute mit den Causalattributen, — worunter wohl die Wirkungsattribute zu verstehen sind, — verwechseln. Mehreremal wird Josef al-Basir angeführt5), aber es finden sich bei ihm auch Aeusserungen, die auf eine Bekanntschaft mit den Ansichten nichtmu'tazilitischer Denker schliessen lassen. An einer Stelle spricht er von der Unerkennbarkeit Gottes6), von der Ansicht eines Schriftstellers, der die Annahme von Wesensattributen zurückgewiesen und hierbei entschuldigt er sich, dass er dies nicht deshalb gethan, damit er die Ansichten der alten karäischen Lehrer ') mran *d ed. Goslow. 2) Exodus Bl. 31a. d) ""Q^D Gegens. von na». ') Das. 34 b. 5) Deut. 5 b wird die Antwort al-Ba§irs in Betreff eines Beweises für die Einheit Gottes angeführt, die sich in seineu ni^c cod. Warn. Pol. 137b findet, Exod. 36b das Capitel des Muht., welches von der Sichtbarkeit Gottes handelt, und das. 31 a die Ansicht al-Basirs vom Geschaffensein der Gottesstimme. Das Wort rwin entspricht hier dem arab. KLs^s — Substrat. ") Exod. 34 a. *>2D im oznh \bw& im Dan irr ia:» nai vavn nsj? maia n>3<yn m«t» man1? nwy-in i»^ »a «an i:j?un «te naa ppiSnom nSi« »hv naa nmn *n« toian «in na «V. Der Spruch findet sich ewaen maa Cap. 2. 8