Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1894-01-01 · 12.1894 · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
12.1894
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2273546-2273569--0377-2274144
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Aus dem Leben Leopold Zunz'. Ludwig Geiger sagt am Schlüsse seiner interessanten Mitteilungen „Aus L. Zunz' Nachlass" (Zeitschrift f. d. Geschichte der Juden, V, S. 268): „Zunz' hundertster Geburtstag wird in drei Jahren begangen werden; eine würdige Biographie wäre die schönste Feier dieses Gedenktages." Die drei Jahre sind inzwischen bald verstrichen, und am 10. August d. J. wird dieser Gedenktag erscheinen, ohne dass eine „würdige" Biographie Zunzens auch nur in Aussicht stände. So bedauerlich aber, so natürlich ist annoch dieser Mangel. Für Zunz wird sich überhaupt nicht leicht ein Biograph finden, weil Zunz durch seine in Wissenschaft und Leben so vielseitige Bethätigung nicht geringe Anforderungen an die geistigen Qualitäten seines Biographen stellt. Dieser muss vor allem den Entwickelungsgang der gesamten „jüdischen "Wissenschaft" dieses Jahrhunderts, die in ihrer Begründung wie in ihrem "Wachstum zum überwiegend grössten Teile von Zunz beeinflusst wurde, genau kennen; sodann muss er in dem Schulwesen der jüdischen Gemeinde Berlins bewandert, mit den politischen Bewegungen des Jahres 1848 und der nächsten Folgezeit vertraut sein; endlich aber kann ihm die genaue Kenntnis der Kulturgeschichte der Juden während dieses Zeitraumes ebenso wenig erlassen werden, wie die Vertrautheit mit der Journalistik und Belletristik der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts in Preussen und zumal in Berlin. Dazu kommt nun aber noch, dass eine Hauptquelle für die Kenntnis dieser vielseitigen Wirksamkeit Z'. in seinem schriftlichen Nachlasse erst erschlossen werden muss. Wie reich dieser Nachlass an neuen Aufschlüssen, besonders inbetreff von Z\ äusserem Lebensgange ist, hat L. Geiger a. a. 0. bereits angedeutet, obwohl er nur die Briefe und von diesen auch nur jene, die an Z. gerichtet waren, durchmustert hat. Nun ist aber ausser einem umfangreichen, noch nicht verarbeiteten wissenschaftlichen Material ein fast vollständiger Auszug von den Briefen vorhanden, die Z. an seine Korrespondenten gerichtet hat. Vom 25. Oktober 1832 angefangen1) hat Z. in kleine Oktav-Hefte mehr oder weniger vollständige Auszüge, mitunter sogar wortgetreue Abschriften seiner Briefe eingetragen2). Erst durch diese Briefe wird die Korrespondenz vollständig und manches bedeutsame Ereignis im Leben Z\ in fast lückenloser Weise geschildert. Sodann ist auch noch eine Art Tagebuch vorhanden, das sich im Besitze seiner Erbin, Frl. Theodore Meyer befindet. Dieses Tagebuch, das auf der ersten Seite den Titel führt: „Das Buch Zunz, künftigen ehrlichen Leuten gewidmet", ist von Z. in späteren Jahren3) angelegt und nachträglich von ihm noch durch Zusätze bereichert worden; es enthält seine frühesten Erinnerungen und verzeichnet die Hauptereignisse seines Lebens bis zum Jahre 1880. Dieses Tagebuch ergänzt sehr häufig in völlig befriedigender Weise die Lücken, die in der Korrespondenz durch Unterbrechung derselben oder durch den Verlust mancher Briefe entstanden ') Ans der früheren Zeit sind nur noch wenige Entwürfe von seinen Briefen vorhanden. 2) Aus diesen Heften stammen die Briefe weiter unten, bei denen keine andere Quelle angegeben ist Ein in seiner Jugend, am 1. Juni 1816 angelegtes Tagebuch hat Z. nur bis zum 21. Juni 1821 fort gesetzt und sodann Ende Oktober d. J. verbrannt. 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.