Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 11.1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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— 18 — Denn der Heimgegangene war ein hemirra^iuler Gelehrter, der zur Vollendung und inneren Ausgestaltung des wissenschaftlichen Bauwerkes» welrhes die grossen Begrfuuler der jüdischen Wissensi-haft in diesem .Jahrhunderte aufgeführt. Wesentliches beigeiragen hat Aus einer Gemeintle hervorgegangen, in welcher die jüdische Wissenschaft seit der Mcndelssohitsrhcn Zeit eifrig gefiegt wurde, und in welcher hervorragende Meister jüdischer Gelehrsamkett erstanden; herangebildet und erstarkt in der strengen Zucht des deutschen Geistes und der wissenschaftlichen Methode; ausgerüstet mit einem vortrefflichen Gedächtnis* und mit einem feinen Sinn für Ebenmass und Schönheit; vielfach verkehrend mit den grossen Geistern, die in unserer Gluuhcnsgemeiiide die Wissenschaft liehe Begründung und Verjüngung des Judenthums angebahnt hatten: reifte der Verewigte in treuer und selbstloser Arbeit allmählig zu der Bedeutung heran, durch die er sich nach-» mals den besten seiner Mitstrebeiuh'ii el)enbürtig an die Seife steifen durfte. Seine Ausgaben altjüdischer Werke, gleichviel ob sie rem-geschiehtlieheu, litterar-historisehen ,>dcr religions-philosophischen Inthalts waren., sind mustergültig, sie sind von diplomatischer Treue und Zuverlässigkeit, und sie haben sich würdig jenen Arbeiten anderer Gelehrten augereiht, welche den Ruhm der jüdischen Wissenschaft in Kreis»* getragen, in denen »lies«* vormals nur \v«*nig bea«-htet wui\l,e- Seine Schriftdeutung war einfach, klar und einleuchtend und von dem Grundsätze geleitet, dass die, dichter und Propheten Israels nichts geschrieheu und gesprochen haben konnten, was mit den Denk- und Schouheitsgnsetz«*u in Widerspruch steht So wurde sein«* Schrifbleutung zu einem wahren Mosesstah. »hu* aus dem stnrr»*n F«'ls«*u l»*ben»liges Wässer schlug; und gar manches Schriftwort. das vielen zu »*iner nca, zu einer «Quelle religiös«*!* Yersu«*hung und wiss<»nsehaftlichi'U Haders wurd«*, verwandelte sich »lurch ihn zu einem B»»rn «b*r Erfrischung nn«l der Erhebung. Worin er sich aber von vielen anderen jüdischen Gelehrten ganz besonders auszeichnete, das war die Kunst volksthnmlicher und h'ichtfasslicher Darstellung. Zahlreich sind »lie Sehrifterzeugnissc, »lurch die er «lie Ergebnisse g«dehrter Forschung in «'»Her und anziehemler Form in die gebildeten Kreise unserer GUtubensgemi'insehaft entführt»', und allgem'in geschätzt un»l vielfach aufgelegt sind seine Lehrbücher, durch die er Lehrern wie Schülern «lie Schätze jüdischen Wissens vermittelt«', sc» dass sich auch ihm »*rfüflte der Wunsch, «hm «*r wie einst K«"»nig David im Herzen g«'h«'gt, der Wunsch: .a'aV.y "Snsc nr.;s* zu weilen im Zelte Gottes immerdar, 'dieweil sein Wort au den Stätten »1er Erbauung und Itclehrung fortlebt für «lie Daner der Zeiten. Aber »lie Kraft unseres verklärt«']» Freundes trieb n«>ch «'ine edle Jilüthe „in «1«'U Y«»rh«"»f«*n unseres G«»ttesu, wir meinen seine Thüiigkeit auf dein Gebiete der Menschenliebe. Denn unser Freund war kein Stubengelehrter, der in s«*iner Wissenschaft v«"i(iig aufg«'ht. ihm stand »las drangvolle Leben höh«'r und lo«-kt<* ihn zu eifervoller B«*tbätigung. Tml so stand er s«'it Jahren mit. edlen Männern innig verbuudeu an der Spitz«' vieler W«>hlthätigk«'itsver«*ine, in d**n«*n ihm alle .schriftlichen Arbeiten oblagen, und in denen er sieh auch durch seinen weisen Rath und «lurch seine aufopferungsvolle Mühewaltung segensr«'i»-h -bewährte. Was er ah«T amleren nur zum Tln.'il und nur im Eiuzetuen gew«'.s«'u. «las war er uns ganz und ungetheilt. Alle «'dien Gab«*n seines Geistes wie seines Herzens: s«'in reiches Wilsen und sein klares Urtheil, sein«; herzgewinnende Milde uml Beschei«leuheit, kurz. s«*iue ganze sittii«*he Tersönliehkeit — uns, der Lehraustalt für die Wissenschaft de* Jttdciithums, «ler er seit ihrem Bestände als L«.*hrer angehört«*, uns, scineu Genossen und Schüh'rn, hat «*r sie in-den Dienst gestellt. Und welch ein Genosse war er seinen Genossen, den heimgegangenen wie - »iVn üb«*rlebeud»*n! Welch ein Lcluvr seinen Schülern, den imch studirendcu wie th*n hcivits ang«*st«*lHen! Wie er diesen Lehrer und Vater zugleich, so war er uns Genosse uml Vorbild, Vorbild in »ler Hingabe an sein heiliges Lehramt, »las ihn noch in »ler letzten Stunde seines Lebens beschäftigte. Sc» steht er vor uns, der edle Greis, umstrahlt von »ler Abendsonne eines that«*nreiehen Lebens. Wir sahen ihu am Tage seines siehenzigsten Geburtsfestes umworben von der Liebe uml Verehrung aller derer, »lie er in, den Bannkreis seiner Seele gezogen; wir sahen ihn sodann die Gnadenfrist nutzen und mit rüstiger Kraft au das grosse Werk einer masoretischen Uebersetzung der heiligen Schrift gehen, die in gleicher Weist? den Wissenschaftliehen Anforderungen und »lern Erbauungsbedürfnisse genügen sollte; wir sahen ihn dieses Werk vollenden und sofort eine neue Arbeit unternehmen, die Darstellung eines Lebensbildes des GaonsSaadia, des grossen Begründers