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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1893-01-01 · 11.1893 · page 16

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
11.1893
Date
1893-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273567--0372-2274138
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— 17 - Trauer-Rede, gehalten au der Hahn; des verewigten Doccnten Herrn Dr. David Cassel, den _».'>. .lamiar 1 Si>3. Von ttabb. Dr. S. Maybaum. Hochgeehrte Tra u e rv ersa in in I u n g! Die tiefe Erschütterung, welche die schmerzliche Kunde \<»n dem plötzlichen Hinscheiden unseres theuren Freundes in weiten Kreisen unserer Glaubensgemeiude hervorgerufen — wir sehen sie heute norh nachwirken in der aufrichtigen Trauer, die hier jedes Antlitz bedecket. Aber woher diese Trauer, wenn ein (ireis nach einem reiehgesegneten Leben von binnen scheidet, ein Greis zumal, den der Kwige an seiner Hechten gefasst, nach seinein Käthe stets geleitet und zu hohen Ehren hat gelangen lassen, und dem er auch noch im Tode seine Gnade nicht entzogen, dieweil er ihn sanft und schmerzlos wie die Patriarchen der Vorzeit einziehen liess zu seinen Vätern? Allein die Trauer gilt nicht ihm, dem Heimgegangenen, sie gilt uns, den l'eberlebcnden. Er war durch so zahlreiche Bande der Liebe und Freundschaft mit dem Leben verknüpft, so fest eingegliedert in mannigfache Kreise ineiischeubeglTickender Bethätiginig, dass der Gedanke," ihn verloren zu haben vor allem anderen uns erfüllt und zur Ausspruche drängt. In der That, denken wir an die bekümmert«' Gattin, die in ihm die Krone ihres Hauses verloren, an die Verwandten, an die Nichte zumal, die er sich zur Tochter erzogen, au unsere Lehranstalt, die in ihm ihren St«l/. eingebftsst, an die Genossen, die er durch sein Voibild angeeifert, an die Schüler, die wonnewoll an seinen Lippen gehangen, an die Waisen und Witt wen, denen er Vater und Tröster gewesen: so inuss tiefe Trauer uns das Herz erfüllen. llid doch, wenn irgendwo, so gilt hier die Mahnung, selbstsüchtigem »Schmerze sich njeht hinzugeben; wenn irgendwo, so wandelt sich hier die Stätte der Trauer in eine Stätte der Anbetung für die Huld und Gnade, die Gott dem Verewigten bis ans Ende bewahrt hat. Wie die Sonne aus dichtem Gewölk leuchtend hervorbricht und die Dunkelheit durch ihren Glanz verscheuchet, so steigt jetzt das Bild des Verstorbenen den Schmerz verklärend vor uns auf, und wir preisen ihn mit den Worten des l'salmdiehters: .rr-sna r,'2: cb'.rv p:a*?2 rs: rrr pns wst ::*nbs. Der Gerechte blüht wie die Palme, und wie die Zedern am Libanon so ragt er empor; die gepflanzt sind im Hause des Ewigen, erblühen, in den Vorhöfen unseres Gottes." Denn er war gepjlanzt im „Hause des Ewigen". Sein Haus war ein Gotteshaus, eine Stätte der Anbetung, eine Stälte der Gattenliebe und der Wohlthütigkeit. Wer hier die Gatten, die mehr denn vier »Jahrzehnte des Lebens Freuden und Schmerzen redlich get heilt, noch im hohen Alter einander in fast braut lieher Liebe umhegen sah; wer da beobachtete, wie sie in herzlicher Liebe zu den Verwandten die Nichte sich als Tochter erzogen, und wie sie der Pflege der Waisen in solcher Treue oblagen, dass ihnen aus der'Mitte derselben «1er geliebte To«hterinann erwuchs zur Freude und zum Tröste ihres Alters; wer sie hier -Gastfreundschaft pflegen und Barmherzigkeit üben sah: der fühlte es im Herzen, V?hx n«2 CS T nt dass ihr Haus ein Gotteshaus war. Und weil in solchem Hause die Wurzeln seiner Kraft lagen, darum erblühte er auch in „den Vorhöfen unseres Gottes" - in den Gebieten der jüdischen Wissenschaft und der jüdischen Wohlthütigkeit zu hoher Bedeutung.

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