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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1886-01-01 · 4.1886 · page 2

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
4.1886
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273553--0134-2273893
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Briefe und Responsen in der vorgeonäiseheii jüdischen Literatur. i. Schriftliche, an bestimmte Personen gerichtete Mittheilungen kennt erst die reifere Zeit eines Yolksthumes als ein Mittel des Verkehrs.. Briefe kommen erst in dem vorgeschrittenen, entwickelten Leben der Stämme in allgemeinen Gebrauch und machen sich in der Literatur bemerkbar. Einfach, wie in den Anfängen einer bürgerlichen Gesellschaft die Beziehungen der Personen und der Familien sich bildeten, genügte auch für den Austausch der Gedanken die mündliche Besprechung. Sollte das "Wort an einen Abwesenden gerichtet werden, so wurde es einem Boten in das Ohr gelegt, der es treu und genau dem Dritten überlieferte. Erst die grösseren Verhältnisse des Bürgerthums, erst die verschlungenen Pfade der Geselligkeit riefen den "Wunsch hervor, die eigene Meinung einem Anderen, der nicht gegenwärtig war, durch geschriebene Zeichen, welche die Notwendigkeit erfunden und sichergestellt hatte, bekannt zu geben. "Wer seinem "Willen durch "Wortzeichen uud durch Buchstaben Ausdruck gab, that dies in einer engen, bestimmten Form, welche jede Missdeutung ausschloss. Ebenso verhält es sich mit dem Erscheinen der Briefe in dem Kreise der schriftlichen Erzeugnisse eines Stammes. Die ersten Keime der Erzählung, der Sage, des Liedes, des Spruches und des Heldengedichtes sind in dem persönlichen Umgange des weiteren Familienkreises, der Freunde und der Stammesgenossen zu suchen, oder sie finden sich in dem Flusse der Rede, welche vom Lehrer zum Lernenden, von dem Erfahrenen zu dem Ungeübten, von den Lippen des Alters zu der aufmerksamen, horchenden Jugend hinströmte. Der Brief erscheint erst dann in einem Schriftthume, wenn die schlichten Umgangsformen lange zurückgetreten waren, wenn die Grenzen des Raumes, innerhalb dessen die Menschen wirkten und strebten, weiter gerückt, wenn die Schrift dazu verwendet wurde, die Schärfe des gesprochenen Wortes, die persönliche Betonung der direkten Rede auch für den Entfernten festzuhalten, auch dem Fremden zu übermitteln und zu überliefern. Für. den grösseren Kreis der Menschen war der Brief, sobald er in die Literatur eintrat, immer eine leichte, genehme Form, eine gewinnende Art der Mittheilung. Er spricht nicht nur klar und deutlich, da er sich von Person an Person wendet und der mündlichen Rede so nahe verwandt ist, er hat auch den Vortheil der Natürlichkeit, indem er, wie der menschliche Laut, das Gemüth zu treffen und die Seele zu rühren vermag. Auch in der Geschichte der alten Hebräer und in den Denkmälern ihrer Literatur begegnen wir zur Zeit, als die geselligen Verhältnisse im Reiche Davids sich vielseitiger l*'

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