Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- [3].1885
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Hainau, Bileam und der jüdische Nabi. Ein Vortrag von Prof. Dr. Stein ihai. Wie spiegelt sich in der heiligen Schrift der Hass der Völker gegen Israel? wie denkt sich 'der alte Israelit seinen Feind, den JJBH? und umgekehrt, wie denkt der wahre Prophet über die Völker? Dieses Thema, das ich heute vor Ihnen behandeln will, ist uns leider in neuester Zeit noch einmal als tatsächlich bedeutsam recht nahe gelegt worden. In Haman und Bileam führt uns die Bibel zwei typische Gestalten des Judenhasses vor. Beide sind, man kann wohl sagen, geniale Schöpfungen, aber sehr verschieden von einander, verschieden in ihrer äusseren Erscheinung, ihrem Auftreten und ihrer inneren Gesinnung. Der Standpunkt aber, den wir hier einnehmen wollen, soll der litterar-historische sein, und zwar noch bestimmter der rein ästhetische. Es fragt sich also für uns gar nicht um die geschichtliche Richtigkeit der beiden Erzählungen von Haman und Bileam, wer und wie dieselben gewesen sind, was sie in Wirklichkeit gesprochen und gethan haben, und ob sie überhaupt jemals gelebt haben: sondern uns geht hier lediglich die poetische Wahrheit an, welche; da die Wahrheit nur eine ist, immer zugleich auch die sittliche und religiöse ist. Darum wird ganz von selbst und saehgemäss unser ästhetischer Standpunkt zugleich der religiös ethische sein. So habe ich nun sogleich darauf hinzuweisen, dass die beiden Gestalten, Haman und Bileam, darum so verschieden sind, weil sie von Männern sehr verschiedenen Geistes erfasst oder concipirt sind. Wie diese beiden Erzähler der Zeit nach weit von einander abstehen, und wie sie in Sprache und Styl einander sehr ungleich sind, so sind sie auch in ihrer ganzen religiösen Weltanschauung durch eine Kluft von einander getrennt. Uns also r,ull es nicht um Haman und Bileam zu tun sein, sondern um den Geist ihres litterarischen Schöpfers. Denn wenn es auch für die Beurteilung des Dichters immer wichtig ist, zu wissen, welcher Bericht und welche eigne Erlebnisse seiner Dichtung zu Grunde liegen, ob und was er zum Gehörten und Gesehenen etwa hinzu erfunden hat, ob und wie er Wirkliches und Erdachtes mit einander gemischt hat: so bleibt doch immer gewiss, dass Niemand die Wirklichkeit nur so abschreiben kann, und dass die Charaktere, wie der Erzähler sie dargestellt hat. und der ganze Sinn, den er aus der erzählten Begebenheit hervorleuchten lässt, allemal s<*ine Schöpfungen sind, Kinder seines Geistes. Ein anderer Schriftsteller würde uns vermuthlieh z. B. eine ganz andere Ester r