KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 5 (November 1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 98 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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98 K. C.-Blätter Besonders heute drängt sich mir die Erinnerung auf, wie er vor Jahresfrist seinem Eonleib Heinz Schlochauer und vor wenigen Monaten unserem lb. Rudi Adler in tiefer Ergriffenheit das letzte Geleit gab.?icielibu8 tiäem! dem Freunde die Treue, wie er es gehalten, so wird er uns stets unvergessen bleiben." Am 14. Oktober wurde die Asche unseres unvergeßlichen Hans Lennhoff auf dem Weißenseer Friedhof beigesetzt. Auf Wunsch der Familie hatte sich nur eine beschränkte Anzahl Leidtragender eingefunden. Nachdem Kbr. Nosenow namens des K.C. von dem Dahingegangenen Abschied genommen hatte, wurden ihm die Bänder der „Sprevia" und der „Rheno-Palatia" in die Gruft mitgegeben. Nationalismus und Antisemitismus.*) Bon N. N. Eoudenhove-Kalergi. Das starke Anwachsen des Nationalismus in und nach dem Weltkrieg führte zur Verschärfung des Antisemitismus. In Europa ist durch den Weltkrieg der Nationalismus zur herrschenden Geistesrichtung geworden. Durch Jahre haben politische und geistige Führer aller Nationen die Ileberlegenheit der eigenen Nation über die des Gegners oder der Gegner ver-. kündet. Dieser Glaube an die absolute nationale Neberlegenheit und nationale Weltmission ist gleich stark unter Deutschen, Engländern, Franzosen, Russen, Italienern, Amerikanern, Japanern. Die kleineren Völker, wie die Polen, Ungarn, Tschechen, *) Der soeben im Paneuropa-Verlag erschienenen Neuauflage „Antisemitismus" von Eoudenhove-Kalergi mit Genehmigung des Verlages entnommen. Wir wollen unseren Lesern damit eine Probe aus dem Schaffen des bekannten Publizisten Eoudenhove- Kalergi bringen, ohne daß wir uns mit ihm irgendwie identifizieren wollen. Dieser Vorbehalt gilt auch besonders für vorliegenden Aufsatz. D. Red. Rumänen, Bulgaren, Serben, Griechen und Türken, begnügen sich damit, an ihre relative Aeberlegenheit über ihre Nachbarn zu glauben. Dieser Glaube wird gestützt durch halbwissenschaftliche Literaturen, auf Grund biologischer und historischer Theorien und Fälschungen. Weil diese Theorien der nationalen Eitelkeit schmeicheln, werden sie kritiklos von Halbgebildeten und Ungebildeten, zum Teil sogar von sogenannten Gebildeten geglaubt und verbreitet. Wer diese Theorien bezweifelt oder bekämpft, wird als nationaler Gegner betrachtet und behandelt. So siegt die Eitelkeit der Völker über ihre Wahrhaftigkeit. Es ist klar, daß diese nationalen Theorien sich vielfach auch mit der Iudenfrage auseinandersetzen. Daß sie unter den eigenen Mitbürgern einen Hintergrund suchen, von dem sich ihre nationalen Tugenden besonders kraß abheben. Diesen Hintergrund glauben sie in den Juden gefunden zu.haben. Die meisten Menschen verachten gern. Je tiefer sie auf andere herabblicken können, desto höher fühlen sie sich selbst. Die Verachtung anderer stärkt ihr mangelndes Selbstbewußtsein. Diese Menschen greifen gern zum Antisemitismus, um sich als Glieder einer höheren Rasse oder Nation zu fühlen. Der Blick nach unten gibt ihnen die Empfindung, oben zu sein. Sie fühlen sich erst dann als Aristokraten, wenn sie die Möglichkeit haben, andere gründlich zu verachten. Dieser Wille zur Verachtung bringt es mit sich, daß Aristokraten meist das Bürgertum, Bürgerliche meist das Proletariat, Proletarier meist die Bourgeois verachten. Wer aber darüber hinaus um jeden Preis verachten will, wird Antisemit und verachtet die Juden: damit stempelt er sein „arisches" Blut zu einer relativen Aristokratie. Durch Kontrastwirkung erhöht er sein Selbstgefühl. Dieser Wunsch des Antisemitismus ist besonders stark in Deutschland. Die vierjährige Isolierung dieser Nation und ihr Kampf gegen die übrige Welt hat zu einer Stärkung des Nationalgefühles, des Nationalhasses und der nationalen Verachtung geführt. Da dieser Haß sich nach dem Kriege aus politischen Gründen gegen. Engländer, Franzosen und Italiener nicht