KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 2 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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38 K. C.-Blätter schon als jungem Vundesbruder die Herzen aller zufliegen ließen, die die Jungen immer wieder zu seinen Verehrern machten. Aber was ihn auszeichnete vor allem anderen war sein unbestechlicher Ehrlichkeitssinn, seine Gradheit und Offew heit: ihm war jene seltene Freundschaft eigen, die nicht davor zurückschreckt, dem Freunde und sich selbst eine unbequeme und unangenehme Stunde zu bereiten, wenn es nötig ist! Manch einen hat er drob zeitweilig vergrämt, aber wie froh wurden wir es nachher inne, vor wie Unangenehmem uns sein polterndes Mahnwort bewahrt hatte! Nichts haßte er mehr, als falsche Sentimentalität und schier ängstlich war er bemüht, nur ja nicht ein Eckchen seines gütigen Herzens hervorleuchten zu lassen: mit einem herzhaften Kraftausdruck wußte er die Aufmerksamkeit davon abzulenken. Als Unterprimaner in Breslau, obgleich wir verschiedene Gymnasien besuchten, freundeten wir uns an: es war keine jener Schülerfreundschaften, die einem gemeinsamen Nachhauseweg ihre Entstehung verdankt; aufsuchen mußten wir uns, und wir wußten uns so gründlich zu finden, daß sich wobl kaum einer unserer damaligen Zeitgenossen daran erinnern wird, einen ohne den anderen auf der „Schweidnitzer" seligen Angedenkens! —- gesehen zu haben! Die Studentenzeit kam: die Freundschaft blieb unvermindert die gleiche: nur, daß wir unsere ausgedehnten Diskussionen mehr von der Straße bis tief in die Nacht in das Eafä Fahrig verlegten! Und dann kamen wir zum ersten Male auseinander, wenigstens räumlich: Greiffenberg nahm ihn als wohlbestallten Referendar in seinen Mauern auf. Vor mir liegt ein ganzes Bündel von Briefen, die er mir aus jener Zeit geschrieben hat: wie oft haben meine Freunde meine „Sammelwut" belächelt! Jetzt bin ich froh, diese beredten Zeugen verklungener Tage vor mir zu haben. Unter den neuen Eindrücken, unter den gänzlich veränderten Verhältnissen, die ihn in dem lieblichen Gebirgsstädtchen umgaben, vergißt er nie seine Erundeinstellung zu Deutschtum und Judentum: klingt es nicht ganz modern, wenn er im September 1890 schreibt: „Der Antisemitismus kann nicht aufhören, bevor nicht eine Umschichtung unserer Berufe eintritt, bevor nicht der Jude den Weg zum Handwerk und Ackerbau zurückfindet." Aber noch etwas Köstliches leucyret aus diesen Briefen hervor: die Liebe zu seinen Eltern und Geschwistern! Wie rührend fragt er immer wieder nach ihrem Ergehen, wie ist er besorgt, daß sein' Freund in Breslau nur ja von ihnen berichtet! Diese Liebe zu den Seinen kannte keine Grenzen: man mutz ihn in seinem väterlichen Hause gesehen haben, wie er für alles, was ihm, dem Modernen, manchmal ein Lächeln abnötigte, immer ein Wort des Verständnisses und des Verstehens fand! Anwalt wurde er in Breslau, ich Arzt in Oberschlesien: unsre Pfade trennten sich^ lange sahen wir uns manchmal nicht, aber es war eigenartig: wenn wir zusammenkamen, schien es immer, als hätten wir uns gestern verlassen; es war nichts Fremdes, Trennendes zwischen uns gekommen. Nun ist es gekommen, das Trennende: aber unverwischbar lebt in meinem Herzen das Bild dieses treuen Freundes, dieses aufrechten, gütigen Menschen, des furchtlosen Bekenners unserer Ueberzeugungen und Ideale. Unsere Trauer ist groß! Groß aber auch unser Stolz, diesen Mann zu den Unseren gezählt zu Laben! Einer der besten Kämpen aus der alten Viadrinenzeit ist dahingegangen: möge es für uns, das zurückbleibende kleine Häuflein, eine Mahnung lein, treu zu bleiben unseren Jugendgelübden, aber auch treu zu bleiben einander, solange wir noch atmen im Licht! Das wird der beste Dank an den teuren Enffchlafenen sein! Ruhe in Frieden, mein Freund! . H. Schlesinger, Gleiwitz Nachruf am Grabe von Kbr. Münz (Gesprochen von Kbr. Arthur Hausdorff, Viadrina-Breslau.) In tiefster Ergriffenheit und wehem Schmerz entbiete ich Dir, lieber Bundesbruder Münz, den letzten Gruß aus dem Munde des A. H. Verbandes Viadrina, im Namen des A. H. Verbandes Thuringia, im Namen der aktiven Verbindung im K. C. Thuringia und namens aller übrigen K. C.er.