KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 6 (11.1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 65 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Vertrauliche Beilage der K. C.-Blätter 65 die Anforderungen die gleichen geblieben, die dieser Streit an uns stellt. Am ihn siegreich zu bestehen, brauchen wir Menschen; Menschen und keine Fabrikware. An uns ist es, unsere jungen Juden, die aus dem engen uns behüteten Kreis des Elternhauses ins Massenquartier der Hochschule kommen, herauszuheben aus dem alles gleichmachenden Betrieb der Hörsäle. Darauf allein kommt es an. Denn nur wer bereitwillig ist, wird eingestampft und zermalmt. Wer sich gegen die Nivellierung wehrt, wer sich aus seiner Lethargie aufrüttelt, der wird nicht zum Serienprodukt. Das aber ist unsere große Aufgabe, unsere Menschen dazu zu bringen, an sich zu arbeiten, die Bequemlichkeit, die in uns allen schlummert, den großen Fragen und Problemen aus dem Weg zu gehen, zu überwinden, sie geistig zu stählen. Wenn wir ihnen so, neben der körperlichen Durchbildung, einen geistigen Fonds schaffen, wenn wir ihnen daneben vor allen Dingen das Bewußtsein vermitteln, nicht allein zu stehen, Bundesbrüder, die gleich denken und fühlen, neben sich im gleichen Kampf zu haben — dann sind wir auf dem besten Wege, unsere Mannschaft zu dem heranzubilden, was allein notwendig ist: zu selbstbewußten Menschen. Dieses Selbstvertrauen, dies Selbstbewußtsein soll und kann ihnen die Korporationserziehung geben. Wenn wir so dem Wesen der Korporation gerecht werden, wenn wir unseren jungen Bundesbrüdern den Begriff der Bundesbrüderlichkeit wieder zu Fleisch und Blut werden lassen, dann werden wir sie zu dem heranbilden, was Sinn und Ziel sein soll, zu echten K. C.ern. Und wenn wir das erreicht haben, dann werden wir auch gerüstet sein zum Kampf. Das ist ja der Sinn der Frankfurter Reform, uns solche Menschen zu schaffen. Noch sind wir nicht soweit, uns ein Urteil erlauben zu dürfen über das Ergebnis der Arbeit in den neuen Bahnen. Aber eins dürfen wir sagen: Fest steht unser Ziel, der K. L.er. Helfen soll uns, zu diesem zu gelangen, die Korporation. Verschwom- -men ist noch der Weg. Jeder einzelne von uns aber hat die Pflicht, mitzuarbeiten, an sich und an den anderen, mitzuarbeiten daran, daß alte» verstaubte Begriffe wieder neues Leben, neuen Sinn erhalten, mitzuarbeiten für den Gedanken des K. C., für unser Vaterland! Das sei unsere Pflicht, unser officium. Unsere Losung sei: 8i1entium; oiiieiurn!! Das sind die Gedanken, die mir gekommen sind, als ich Ihren Mahnruf las. Einig weiß ich Sie mit mir in dem Gedanken, es muß anders werden! Anders mit uns, und darum auch anders für uns. Mit herzlichem bundesbrüderlichen Gruß Paul Schreiber (Neo-Frib., Sprev.). * Angesichts der großen Bedeutsamkeit des Themas ist auch für die nächsten Nummern eine Aussprache über die vorstehenden Fragen erwünscht. Darüber hinaus teilen wir mit, daß demnächst eine Rundfrage über das Thema: „Wie organisieren wir am besten unsere Keilarbeit?" stattfinden soll. Empfänger dieser Rundfrage find (s. vorige Bertr. Beil.) nicht nur diejenigen Kartellbrüder, die unmittelbar um Aeußerung gebeten werden, sondern alle unsere Leser. Anregungen über Themen weiterer Rundfragen find stets willkommen. D. R.