KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 7 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 118 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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118 K. C.« Blätter Nachr.-Hest Gleichartigkeit der Gruppe auf das ganze Volk. Oft ist er freilich auch Reaktionserscheinung. Der übertriebene Individualismus schlägt in sein Gegenteil, den absoluten Kollektivismus, um. Das Couleurstudententum nun beruht im Gegensatz zum Individualismus des Wandervogeltums auf der Persönlichkeitserziehung. Geht diese vom Individuum aus, erhebt sich jenes auf der Grundlage der Gemeinschaft; Die Volksgemeinschaft, deren sittliche Voraussetzungen übernationaler Äatur sind, ist oberster Richter über den Wert der Individualität. Alle Eigenart wird daraufhin betrachtet, ob sie dem Ganzen dient oder es zerstört. Persönlichkeitserziehung muß daher von einer Gleichmacherei ausgehen! Jeder muß sich zunächst unterwerfen, muß sich in das Ganze fugen, muß imstande sein, persönliche Wünsche zurückzustellen, wenn das Wohl des Ganzen es gebietet. Eigenart kann ja auch schlecht sein, und die wirkliche Persönlichkeitserziehung besteht darin, daß solche schlechte Eigenart unterdrückt und die gute Sonderheit, welche in der Richtung der Kulturidee und des Staatsbewußtseins liegt, gefördert wird, sobald die Unterwerfung unter das allgemeine Gleichmaß vollzogen ist. Die Persönlichkeitserziehung läßt der Individualität nicht ihr volles Recht. Sie will asoziale Eigenart vernichten und nur die positiv der Gemeinschaftsidee förderliche übersteigern. Sie vermeidet darum den Fehler, der der Familienerziehung so oft eigen ist, und den die Wandervogelidee zu einem System erhoben hat, daß nämlich jeder Mensch ein Recht auf Eigenart habe. Bei straffer Persönlichkeitserziehung ist es so unmöglich, daß Ungezogenheiten und Torheiten bewundert und als der Erhaltung wert vielleicht gar gezüchtet werden. Die Erkenntnis ist zwar hart, aber nicht zu umgehen, daß der Durchschnitt der Menschen geistig und seelisch auch Durchschnittsmenschen sind. Diese in den Dienst des gemeinsamen Volkswillens gestellt zu haben, das Wertvolle, das der Durchschnitt hervorbringt und das über den Durchschnitt sich erhebt, zu Nutzen und frommen der Gesamtheit zu pflegen, rst der letzte Sinn jener Persönlichkeitserziehung, wie ihn das Couleurstüdententum pflegt. Daß Persönlichkeitserziehung, welche ihre Ideale aus der Kultur und Volksgemeinschaft schöpft, dazu geneigt sein wird, dem Gegebenen und dem Traditionellen großen Wert einzuräumen, daß aber Individualerziehung, deren Ouell im immer wieder neu entstehenden Eigentümlichen der Seele und der Zeit liegt, mehr zum Umstürzen und zum Reformieren neigen wird, ist klar. So ist denn der Zwiespalt im Couleurstudententum entstanden. Die überragende Erziehungsidee hat sich mit traditionellen Äußerlichkeiten verbunden, die ihre Aufgabe nicht mehr zu erfüllen vermögen. OL strenger Fuxenzwang in der herkömmlichen Form des Biercomments, ob Schlägermensuren und unbedingte Satisfaktion, ob die Veräußerlichung der Form, ob die Anleitung zur unbedingten Schneidigkeit im äußeren Auftreten die für unsere Lage wirksamen Formen darstellen, kann dahingestellt bleiben. Sie hinken vielleicht — teilweise oder ganz — hinter der Zeit her. Sie können sogar eine Gefahr werden, wenn ihr Charakter verkannt wird und sie zum Selbstzwecke werden. Die Idee aber des Couleurstudententums ist und bleibt gesund^ denn sie ist die Erziehung zur Persönlichkeit. Und das Verhältnis des Führers zur Masse ist auf Grund einer solchen Erziehung gleichfalls gesund. Wenn gleiches Wollen alle beseelt, so beugt sich der Durchschnittsmensch der überragenden Kraft des Führers, die anpassender und vollkommener aber in gleicher Richtung wirkt, wie er an seiner bescheidenen Stelle es selber tut. Die Erfahrungen, die das jüdische Leben vermittelt, beweisen die Richtigkeit der hier vorgetragenen Gedanken. Wenn wir auch gewiß oft genug beklagen, daß die Zahl der KCer, welche sich den Aufgaben der jüdischen Allgemeinheit widmen, zu klein sei, so darf doch nicht verkannt werden, daß sie im Vergleich zu den Erziehungsprodukten anderer Ideen doch sehr stattlich ist! Die Zahl der alten KCer, die sich in der allgemeinen und in der jüdischen Politik betätigen, die in Gemeinden und jüdischen Organisationen eifrig Mitarbeiten, die für die Abwehr Nützliches leisten, ist