KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 68 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Vertrauliche Beilage der K. C.- Blätter bieten, deren Beherrschung in geistiger und körperlicher Beziehung von jedem deutschen Juden angestrebt werden muß, der sich als Glied der gesamten deutschen Volksgemeinschaft fühlt Sollte eine Amstellung in dieser Richtung unmöglich sein? R.-A. Dr. Gerhard Müller, Hamburg (Bav.). Freiwilliger Arbeitsdienst. Gerade während der heutigen bedrängten hochschulpolitischen Lage des deutsch-jüdischen Studenten, der jeden Weg wahrnehmen muß, um der Isolierung zu entgehen, scheint es mir nicht angebracht, die Bestrebungen des freiwilligen Arbeitsdienstes auf unserer Seite zu ignorieren. Hier bietet sich für uns gerade ein Wirkungskreis, der mehr als sportliche oder geistige Leistungen den Konnex mit unseren Kommilitonen zu schaffen geeignet ist und uns die erwünschte Gelegenheit bietet, Vorurteile gegen uns zu beseitigen. Ich rege eine Diskussion über dies Problem nicht an, um die allgemein volkswirtschaftliche oder politische ^eite des freiwilligen Arbeitsdienstes hier zu erörtern, sondern ich will die Problemstellung nur auf einen Punkt verengen: Soll ein K. C.er am freiwilligen Arbeitsdienste teilnehmen und inwiefern, ist diese Teilnahme erwünscht? Ich glaube, daß die Antwort hierauf nur ein bedingungsloses Ja sein kann. Der freiwillige Arbeitsdienst hat in den letzten Semestern an einer ganzen Reihe von Hochschulen (sämtliche badischen, württembergischen Hochschulen, Universität Leipzig, Breslau, Marburgs Berlin) Durchführung gefunden. (^eine Idee besteht darin, daß Studenten und Arbeiter zusammen volkswirtschaftlich nötige Arbeiten ausführen, und zwar unentgeltlich. Das Nähere ergibt das Dezember- Heft des „Studentenwerks". Hier findet sich Gelegenheit für den Studenten, auch einmal in kameradschaftlichem Amgang mit Arbeitern die Ideen- und Gedankenwelt der anderen Seite kennenzulernen und manches veraltete Vorurteil auszuroden. Hier würde sich aber auch für uns deutsche Juden die Möglichkeit finden, über unser Wesen Aufschluß zu schaffen und zu zeigen, daß wir nicht die Popanze der nationalsozialistischen Ideologie darstellen, sondern Menschen gleicher Artung wie die anderen. Hier scheint mir für den K. C.-Studenre' eine Möglichkeit praktischer Abwehr¬ und Aufklärungsarbeit, und zwar sowohl unter Studenten wie unter der breiten Masse gegeben, wie nie za-- vor in den letzten Jahren. EineMö.- lichkeit, uns von dieser Arbeit schikau auszuschließen, besteht nicht. Die A •. beiten werden aus staatlichen Fond-, aus den vom Reiche für den freiwilligen Arbeitsdienst bercitgcjtcU:eu Mitteln finanziert, so daß dadurch die Garantie der Aeberparteilichleit und des Interkonfessionellen gegeben ist. Noch ein anderer Grund scheint mir für eine Beteiligung an diesen Bestrebungen auf das stärkste zn sprechen. Der Gedanke des freiwilligen Arbeitsdienstes hat die Studentenschaft spontan ergriffen. Er ist, wie die große Zahl der Universitäten zeigt, die ihn verwirklichen, eine Massenbewegung der Studentenschaft. Wir haben die Pflicht, uns durch Nichtbeteiligung nicht noch weiter zn isolieren. Wenn wir uns an der Durchführung dieser allgemein ftuden tischen Sache nicht beteiligen, dann scheint mir hierin gerade ein der Gegenseite gelieferter Beweis zn liegen, daß wir wirklich nichts mehr mit ihrem Wollen gemein haben, daß wir wirklich schon abgeschlossen vom Gedankenkreise der anderen, uns als Minderheit fühlen. Gegenüber der sonst erörterten Frage nach Mütze und Band oder Sport und Fechten scheint mir diese hier angeregte Frage von vordringlicher Wichtigkeit zu sein. Diese anderen Dinge sind Theorien, hier steht die Tat und wartet auf Antwort. Hier kann der K. C.er mit der Schippe in der Hand praktische Abwehrardeit treiben und den lang vermißten Konnex mit der Amwelt finden. Hier heißtes zugreifen und Mitarbeiten: Bereit sein ist alles. Siegbert Groß (Frib.). Jur Beachtung! Die Themen der nächsten Absprache lauten: „Wie organisieren wir die Ke- - arbeit?" „Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhanges unter den K. Cer „Frauen in der K. C.-Arbeit?" K. C.er! Sagt Eure Ansichten üb:> diese Themen! D. R.