KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 1 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Vertrauliche Beilage der K. C.-Blätter 3 bei den aktiven Verbindungen obligatorisch einführt, ihnen im übrigen eine umfassende sportliche und geistige Betätigung zur Pflicht macht und gleichzeitig dem G. A. zwecks Ausführung und Aeberwachung der Durchführung weitgehende Machtbefugnisse verleiht, so wäre er Wohl bei den meisten Kartellbrüdern ungläubigem Lächeln begegnet. Daß ein solches Programm auf dem K. C.-Tag die für Statutenänderungen erforderliche Mehrheit finden werde, haben wohl noch vor einigen Monaten nur wenige Verbandsbrüder für möglich gehalten. Daß aber für die Annahme dieses Programms sich eine ganz überwältigende nahezu an Einmütigkeit grenzende Mehrheit fand, ist ein Ergebnis, das noch unmittelbar vor dem K. C.-Tag Wohl nur einzelne Kartellbrüder erwartet haben. In dieser Einmütigkeit kam der Wille des K. C.- Tags zum Ausdruck, in der vom G. A. angegebenen Richtung praktische Arbeit zu leisten. Darum ist auch die Erwartung berechtigt, daß die jetzt gefaßten Beschlüsse nicht auf dem Papier stehen bleiben, sondern wirklich in die Praxis umgesetzt werden. Damit gewinnt der Frankfurter K. C.- Tag eine Bedeutung, wie sie seit langen Jahren kein K.C.-Tag gehabt hat. II. Die Bedeutung der gefaßten Beschlüsse liegt zunächst in etwas Negativem. Sie sind geeignet, in den zehnjährigen unfruchtbaren Reformdebatten, die immer negative Forderungen in den Vordergrund stellten, und die die Verbandsfreudigkeil vieler K. C.er und die Einigkeit unseres Verbandes erschüttert haben, endlich einen Ruhepunkt eintreten zu lassen. Gewiß wird und soll nicht jede Kritik an dem Bestehenden von jetzt ab aufhören. Sie kann fruchtbar sein, wenn sie vom Willen zu sachlicher Mitarbeit getragen ist. Soweit diese Kritik bisher darauf hinauslief, daß die alten Kampfmittel des K. C. in heutiger Zeit nicht mehr ausreichen, ist sie durch die Beschlüsse des K. C.-Tags als berechtigt anerkannt worden. Aber ebenso deutlich hat der K. C.-Tag gezeigt, daß die sog. Reformdewegung in zwei Punkten von falschen Voraussetzungen ausging: Eine fruchtbare Reform ist nicht möglich, wenn sie das Heil des K. C. in der Abschaffung des Komments erblickt, ohne selbst positive Ziele aufstellen zu können. And sie ist ferner nicht möglich, wenn sie nicht erfolgt in engster Fühlungnahme mit den aktiven Äerbindungen, d. h. mit denjenigen, die berufen sind, das Beschlossene auszuführen. Gewiß hat das Programm des G.A. in dem Augenblick, als es zum ersten Male veröffentlicht wurde, nicht allen Wünschen der aktiven Verbindungen entsprochen; verlangt es doch von unfern jungen Kartellbrüdern erhebliche physische, ideelle und zeitliche Opfer. Das Verständnis dafür, daß solche Opfer notwendig sind, konnte nicht mit einem Schlage vorhanden sein, sondern mußte erst allmählich erweckt werden. Dazu bedurfte es einer mehr als einjährigen psychologischen Vorarbeit. Niemals hätte der G.A. auf Annahme oder gar auf Durchführung seiner Vorschläge rechnen können, wenn er nicht von der Aeberzeugung hätte ausgehen dürfen, daß — unbeschadet aller einzelner!. Meinungsverschiedenheiten — die Grundzüge seines Programms von der Mehrheit der Aktiven innerlich gebilligt werden. Aber auch derjenige Teil der Verbandsbrüder, der bisher in erster Linie immer betont hat, daß man unter keinen Amständen an den überkommenen Formen des Komments rütteln dürfe, hat sich zu der Erkenntnis durchgerungen, daß die Beibehaltung der alten Formen kein Hindernis sein darf für die Anwendung solcher Kampf- und Erziehungsmittel, die unter den heutigen Verhältnissen wirksamer sind. So sehr auch im einzelnen an den Vorschlägen des G.A. Kritik geübt worden ist, so ist ihnen doch von keiner Seite ein Gegenprogramm entgegengesetzt worden. Es wäre theoretisch denkbar gewesen, daß die sog. konservative Richtung ein eigenes Programm aufgestellt hätte, das gezeigt hätte, wie nach Ansicht dieser Kartellbrüder unsere Verbindungen lediglich unter Beibehaltung der alten Formen ihre Aufgaben in heutiger Zeit erfüllen sollen. Ein solches Programm ist ebensowenig aufgestellt worden, wie die andere Richtung ihrerseits ein eigenes von positiven Zielen ge-