KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 9 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-Left K. C.-Blätter 153 Geistiges will Wohl den anderen überzeugen, will sich an ihm messen und sich selbst dabei abschleifen, will im Ringen des Meinungsstreites sich selbst klären und dabei erstarken. Aber was wir heute erleben, ist doch etwas ganz anderes: Wo ist die Kritik geblieben, die doch Voraussetzung für jede selbständige, geistige Entwicklung eines jungen Menschen ist, wo der ernsthafte Wille nach mühsamer Ergründung einer heiß und strebend gesuchten Wahrheit? Wo vor allem der Respekt vor der Ueberzeugung und dem Wirken des Anderen, der immer die Zierde oder vielmehr das selbstverständliche Attribut einer geistig kämpfenden Jugend war, die auch imstande war, vor dem Gegner ritterlich den Degen zu senken? Heute ringt man nicht zweifelnd und immer wieder abwägend nach Wahrheit, sondern gibt sich mit einer ans Unfaßbare grenzenden Kritiklosigkeit den allerprimitivsten politischen Heilslehren hin, die vor keiner ernsthaften Durcharbeitung und Prüfung bestehen können. Das geistige Argument ist durch den Knüppel und durch den Schlagring ersetzt, es ist ein Rückfall in die Zeiten mittelalterlichen Faustrechts. Wir sollen diese irregeleitete Jugend nicht schelten, sie nicht zurückstoßen. Früher oder später muß für sie ein geistiger Katzenjammer ohnegleichen kommen. Die besten und produktivsten Iugendjahre sind nutzlos vertan mit der Hörigkeit gegenüber einer zwar suggestiv vorgetragenen, aber gleich einer tauben Ruß leeren politischen Theorie, von der sie vergeblich eine radikale staatliche und wohl auch geistige Umformung aller Dinge erwartet haben. Die Lehre von der Gewaltherrschaft und der Tyrannei durch Diktatur stellen wir die beiden ewig ruhenden Pole in der Geistesgeschichte der aufwärLsstrebenden Menschheit entgegen: Gerechtigkeit und Freiheit. Eine Gerechtigkeit, die sich bis ins Tiefste und Letzte hinein auch auswirkt auf das Leben des Gedrückten und Schwachen, auf das Leben des Arbeiters, der teilhaben muß am wirklichen Ertrage seiner Arbeitsleistung. Und Freiheit in politischer und geistiger Hinsicht, gepaart mit dem Willen zum wahren Menschentum und der Achtung vor allen, die wirklich „strebend sich bemühen". Intensivierung der Arbeit des R.J.F. (I.T.A.) Am 26. Oktober fand eine Besprechung der Landesverbandsvorsitzenden des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten E. V. gemeinsam mit dem Bundesvorstand des R. 3.F. unter Vorsitz des Bundesvorsitzenden, Herrn Dr. Leo Löwenstein, statt. Sie begann mit einem Referat des Bundesgeschäftsführers Dr. Ludwig Freund, der in großen Zügen die Lehren schilderte, die aus dem Reichstagswahlergebnis zu ziehen sind. Er forderte stärkere Unterstützung der Abwehrarbeit durch die jüdische Gesamtheit, Entfernung von parteipolitischen Gesichtspunkten aus der Aufklärungsarbeit und Verstärkung und Festigung der Beziehungen zur nichtjüdischen Umwelt. Herr Lilienthal-Wiesbaden gab eine Schilderung der hochinteressanten und wirksamer Aufklärungsarbeit, die in seiner Ortsgruppe verrichtet wurde. An die beiden Referate schloß sich ein sehr reger Meinungsaustausch an. Es wurden eine Anzahl Beschlüsse gefaßt, die die Einmütigkeit der Versammlungsteilnehmer im Hinblick auf das bevorstehende Arbeitsprogramm klar zum Ausdruck brachten und die eine starke Intensivierung der Arbeit des Frontbundes in den einzelnen Ortsgruppen herbeiführen werden. Das alte Lieb. (I. T. A.) Bei den kleineren Ausschreitungen in den jüngsten Tagen an den Budapester Hochschulen haben die Hörer höherer Jahrgänge und die Assistenten der Universität die jüdischen Schüler geschützt. Einer der Angreifer wurde von einem Studenten vor den Rektor gebracht, während andere Hörer mit Entrüstung gegen die Insultationen jüdischer Hörer durch die Antisemiten protestierten. Kürzlich hat eine kleine Gruppe wieder den Versuch gemacht, den Unterricht der Hauptuniversität zu stören. 25 junge Leute zogen in das Anatomische Institut und beschimpften die jüdischen Hörer» die vor Beendigung des Unterrichts die Universität verlassen mußten. Einer der jüdischen Hörer, der Mediziner Marcus, der mit dem Anführer der Demonstranten in einen Wortwechsel geriet, wurde schwer verprügelt.