Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1930-08-01 · Heft 7 (August 1930) · p. Seite 99

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 7 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2268830-2268973-2268982--3694-2272792
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

K.C.-Blätter 99 ji Nachr.-Left I nem Blute besiegelte. Aber der jüdische j Student stand damals auf den deutschen! Hochschulen noch allein, und es fehlte!; ihm der Rückhalt, den wir K. C.er in! unseren Verbindungen als selbstveri stündlich zu betrachten uns gewöhnt! haben. Ich habe Eduard Salomon nicht per- : sönlich gekannt. Nur aus den Schili derungen meiner Eltern, in deren Hause i er verkehrte, weih ich, daß er ein hochj talentierter charakterfester Student war,? der mit fröhlichen Augen in das Leben i blickte, und dessen Zukunft auf Grund I seiner Begabung und seines Fleißes gesichert schien. Der Antisemitismus feierte zu der Zeit, zu welcher Eduard Salomon studierte, Orgien auf den deutschen Universitäten, und es ehrt Eduard Salomon, daß er, ohne Rückhalt an einer Verbindung zu finden, als Richtinkorporierter ehrenhaft seinen Mann gegen jede antisemitische Beleidigung gestellt hat. Cr hatte bereits einige schwere Säbelpartien hinter sich, von welchen die letzte infolge einer erlittenen Abfuhr es ihm unmöglich machte, in Zukunft noch auf blanke Waffe anzutreten. Da wurde er in Freiburg im offenen Lokal in gehässiger Weise grundlos provoziert, und Eduard Salomon war Manns genug, die verächtliche Beleidigung, welche ihm sein Gegner mit den Worten „Sie Iudenjunge" entgegenschleuderte, mit Tätlichkeit zu ahnden. Die Folge war ein Pistolen-Duell, in welchem Eduard Salomon am 12. Februar 1890 in Freiburg i. B. siel. Wir K. C.er können diesem Vorkämpfer für unsere Tendenz nur ein Denkmal in unseren Herzen setzen, ihm, der vor der Gründung des K. C. als Blutzeuge für dessen Idee sein Leben hingegeben hat. Der Schriftsteller Stilgebauer hat Eduard Salomon im ersten Bande seines Werkes „Götz Krafft" in i der Person des Studenten Sally Loewenfeld ein ehrendes Denkmal gesetzt. Unter den nachgelassenen Korrespondenzen meines verstorbenen Vaters fand ich die Grabrede, welche Herr Dr. Adolf Schwarz aus Karlsruhe am 16. Februar 1890 Eduard Salomon gehalten bat. Die Rede ist so ergreifend und erschütternd, ihr Inhalt heute so aktuell wie damals, ja, sogar auf die heutigen Zustände auf den deutschen Universitäten anwendbar, ihre Ermahnungen und Belehrungen gelten so sehr auch der Studentenschaft von heute, daß diese Rede es verdient, noch vierzig Jahre nach ihrer mündlichen Kundgebung gedruckt zu werden. Dies ist die Grabrede für Eduard Salomon: Geehrte Trauerversammlung! Im alten Israel gab es ein Gesetz, nach welchem die Aeltesten einer jeden Stadt, in deren Gebiete oder in deren Nähe ein von unbekannter Hand Erschlagener aufgefunden wurde, ein ganz eigenartiges Opfer darbringen, über diesem Opfer ihre Hände waschen und dabei das Bekenntnis ablegen mußten: „Unsere Hände haben dieses Blut nicht vergossen, und unsere Augen haben es nicht gesehen." Wir, meine Freunde, stehen hier an der Bahre eines nicht von unbekannter Hand Erschlagenen, wir stehen hier an der Bahre eines jungen Marmes, an dem es leider buchstäblich zur Wahrheit geworden, das Wort der Schrift, wie wir es gestern in Israels Gotteshäusern verlesen gehört, „daß Jemand an seinem Nächsten frevelt, um ihn mit List zu ermorden; der Richter kennt denjenigen, welcher zur Rechenschaft gezogen werden muß, und doch will es mich dünken, daß, wenn irgendwo, so in diesem durch seine Ursachen und durch seine Folgen doppelt und dreifach traurigen Falle den Aeltesten die Pflicht erwächst, sich ernstlich zu fragen, ob sie über dem Opfer, das hier eingesargt vor uns ruht, ihre Hände in Unschuld waschen, ob sie mit reinem und ruhigem Gewissen sagen können, unsere Hände haben dieses Blut nicht vergossen, und unsere Augen haben es nicht gesehen. Und von welchen Aeltesten ich rede, fraget ihr? Nun, ich rede nicht vom Senat der hiesigen Universität, deren akademischer Bürger der entseelt vor uns Liegende gewesen, nicht von dem Professoren-Kollegium, welches dem barbarischen Unfug des Duellwesens zu steuern außerstande ist; ich rede auch nicht von den Aeltesten, von den Vertretern der Stadt Freiburg, denen weder das Recht zusteht, noch die Pflicht obliegt, der studierenden Jugend den rechten und richtigen Begriff echter Mannesehre beizubringen; nein, ick meine und verstehe unter den Aeltesten all jene, welche als Wächter und Hüter

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.