KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 86 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter Nachr.-Left kein Jude. Er war ein österreichischer Aristokrat, Diplomat, Katholik und konservativ. Aber ein mächtiger Trieb, den menschlichen Dingen auf den Grund zu gehen, dürfte ihn beherrscht haben. Am gerecht sein zu können, wurde er Gelehrter; fremde Sprachen, Kulturen, fremde Religionen machte er sich vertraut. And so kam er auf die Juden. In seinem tiefsten Innern. Antisemit, beschloß er, die Grundzüge des Antisemitismus festzulegen. And mitten in der Arbeit kam ihm die Amkehr. Sie kam von innen heraus. Durch Wissen und Denken fand er unumstößliche Beweise, daß alles, was man dem jüdischen Volke vorwirft und womit man Haß und Verfolgung begründet, auf die Verfolger selbst zurückfällt. Er weist sogar nach, daß der Begriff Antisemitismus ein reiner Ansinn ist, da es keinen Semitismus gibt. Seltsam, das Buch des Grafen Kalergi, das so wenig Leidenschaft zeigt, wie etwa das Hauptbuch eines Kaufmanns, weckt bei dem Leser alle Leidenschaften. Langsam und gewissenhaft sich selbst Schritt vor Schritt durcharbeitend, beweist er, daß Millionen Menschen jahrhundertelang eine ungeheuerliche Lüge geglaubt und sie auf Kind und Kindeskinder weitervererbt haben. Bis man sie für lebendige Wahrheit hielt. Das Buch erklärt, wie die Iudenfeindschaft ursprünglich im Religionsunterschied begründet ist. Wir sind erschüttert, daß die ersten Christen sich lieber vor wilde Tiere werfen ließen, als daß sie ihrem Glauben abgeschworen hätten. Der jüdische Widerstand gegen einen aufgezwungenen Glauben ist aber eben noch größer. Der jüdische Mut erscheint so ungeheuerlich, so ergreifend in all seinem Fanatismus, daß man aus der Bewunderung nicht herauskommt. Sie werden im Mittelalter gezwungen, abgesondert zu leben, gebrandmarkt und gezeichnet. Man entzieht ihnen die Erlaubnis, die Erde zu bebauen, ein Handwerk auszuüben. Nichts bleibt ihnen übrig als der Handel. Erwerben sie durch diesen ein Vermögen, so nimmt man ihnen das Geld weg und jagt sie in eine neue Verbannung. So jagt man sie durch alle Länder. Sie leisten passiven Widerstand. Sie lassen sich töten, lassen sich martern, statt ihrem Glauben abzuschwören. And doch beruht auch die jüdische Lehre auf den Grundsätzen der Nächstenliebe. Ich kenne viele Juden, die den Geboten der Bergpredigt eher nachleben als wir Christen. Was liegt schon daran, daß sie auf einen neuen Messias warten, statt Christus anzuerkennen? Gras Coudenhove hat als ein wahrer Christ sich bemüht, einem mit Anrecht gequälten Volke zu seinem^ Rechte zu verhelfen. Er spricht nichW von jüdischen Genies, nicht von jüdischen Talenten, nicht von jüdischen Anregern, nicht von jüdischen Mäzenen, nicht von jüdischen Propheten. Er spricht von armen Leuten, die dadurch schlecht werden, daß man sie schlecht behandelt, und die besser würden und die gut würden und die zum Segen würden, wenn man ihnen Gerechtigkeit widerfahren ließe. Das Buch hat er geschrieben, sich und andere zu belehren und jetzt hat es sein Sohn neu herausgegeben. Dieser Sohn, der sich so sehr bemüht, sein würdiger Sohn zu sein. Wer das Buch des Grafen Heinrich Coudenhove über den Antisemitismus liest, der! versteht, wie Richard Coudenhove-! geworden ist. Denn an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Die Handelshochschule. (Lehrbuch der Wirtschaftswissenschaften.) Industrieverlag Späth fr Linde. Das Handelsrecht. In diesem Abschnitt des großzügigen LeitfadenM nähert sich das Werk seinen urM sprünglichen Aufgaben. Das Gebiet des tzandelswesens wird von seiner juristischen wie auch Volks- und verkehrswirtschaftlichen Seite her erfaßt. In den Lieferungen 30 und 35 findet sich das behandelt, was unter Begriff „Handelsstarü)" zusammenzufassen wäre. Eine besondere Serie (die Lieferungen 45, 48, 60) bringt das Gesellschaftsrecht. Eine mit vielen Hinweisen ausgestattete Aebersicht über das Recht der korporativen Zusammenschlüsse im Wirtschaftsleben. Auch das Gewerkschaftswesen des Bergbaues ist nicht vergessen. Die Handelsgeschäfte sind in Lieferung 66 bearbeitet. Ein besonderes Kapitel nimmt die Handelsverkehrs-