KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 85 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nackr.-Left K.C.-Blätter 85 manns Dreyfus" (Berlin, Verlag Dr. Walter Rothschild) auf. Die Aelteren unter uns haben die Vorgänge miterlebt; natürlich immer nur rn einzelnen Stücken, so wie sie sich abspielten. Wir legen Weils Buch nicht mehr aus der Hand, Ausschnitte aus der Geschichte des Judenhasses, ein Ausschnitt aus der Geschichte der menschlichen Niederträchtigkeiten, ein Ausschnitt aus dem, was mißleitete Diplomaten in gänzlich falscher Auffassung ihrer Pflichten zu tun für I ichtig gehalten haben, werden in spannenden Vorträgen so geboten, daß man entsetzt werden muß, welche Schandtaten im wahrsten Sinne. des Wortes das Ende des 19. und der Beginn des 20. Jahrhunderts zutage zu bringen in der Lage war. Auf der anderen Seite zeigt die Angelegenheit Drehfus, daß es glücklicherweise immer noch Menschen gibt, die für Wahrheit und Recht mit allem Nachdruck eintreten. Für die Ausbildung unserer Mitglieder, für ihre Erziehung auch in sittlicher Hinsicht ist das Buch deswegen von so großer Bedeutung, weil es denen, die nicht sehen wollen, beweist, was der Judenhaß für Unglück zu bringen vermag, und weil es auf der anderen Seite von jenem krassen Materialismus ablenkt, der keine Ideale, kein Eintreten für Recht und Sittlichkeit, sondern nur das eigene Wohlergehen als Lebenszielt sür sich anerkennt. Weil hat nicht nur der Allgemeinheit, sondern auch besonders seinen Bundesbrüdern durch dieses Buch bleibend gedient. Wir rüssen ihm alle danken für die unendliche Arbeit und für die Mühe, die er sich mit der Ausarbeitung der politischen Hintergründe gegeben hat. Wir können darauf stolz sein, daß einer der Amsrigen der Welt wieder einen Spiegel vorgehalten hat, in den sie ständig hineinschauen müßte. Dr. Ludwig Holländer (Lic.) Antisemitismus. Ein Buch, über das man nicht hinweg kann.*) Von Karin Michaelis. An dem Buch, von dem ich hier reden will, darf kein denkender Mensch *) Obige Buchbesprechung ist zuerst im „Berliner Tageblatt" erschienen, dem wir sie mit Erlaubnis des Verlages entnehmen. D. Red. vorüber gehen, wenn er erst von seiner Existenz erfahren hat. Es ist beinahe ein Menschenalter her, daß es herauskam. Geschrieben hat es Graf Heinrich Coudenhove-Kalergi, und jetzt wird es neu herausgegeben von seinem würdigen Sohne Richard Coudenhove- Kalergi, dem wir Paneuropa verdanken. Das Buch heißt: „Wesen des Antisemitismus" und ist im Paneuropa-Verlag in Wien erschienen. Als ich es las, wurde mein Herz weit, froh und leicht: so, nun haben die Torheiten und Verbrechen, die mrter dem Namen Antisemitismus ringsum in der Welt geschehen, wohl ein für allemal ein Ende gefunden, ein törichtes Mißverständnis ist aus der Welt geschafft. In diesem Buche steht Wahrheit, und dieser kann auf die Dauer nichts widerstehen. Mit Stolz muß ich es sagen, daß . wir in Dänemark schon seit mehreren Menschenaltern frei sind von jenem Bazillus, der sich Antisemitismus nennt. Nie fragt man bei uns, ob einer Jude ist. Bei uns wäre es unmöglich, was Tag für Tag im sanften Oesterreich geschieht, daß die Studenten ihre jüdischen Kollegen mit Stöcken und Gummiknüppeln von der Universität fortjagen. Bei. mir zu Hau)e weiß man nichts von den unmenschlichen Greueln in Rumänien, in Bulgarien, in der Ukraine, und kein Mensch kann sich einen Pogrom vorstellen. Wir wissen nichts davon, aber ich muß, mein Loblied zu Ehren meiner Nation einschränkend sagen, wir wollen nichts davon wissen. Wir schieben den Gedanken, der uns unbequem ist, so fort, als ereignete sich alles auf einem anderen Planeten, mit dem wir unmöglich in Verbindung treten können. Wenn wir in Dänemark so fortgeschritten sind, wie es jetzt unleugbar der Fall ist, so ist es möglich, daß wir das der Qualität der Juden verdanken, die wir in uns ausgenommen haben. Die Juden haben uns von ihrer Tüchtigkeit, Vitalität und Ausdauer abgegeben; ihre Freigiebigkeit ist nicht ohne Einfluß auf uns geblieben, wir haben fie dafür aus der Enge ihrer Anschauungen befreit, ihnen von unserer heiteren Weltweite und leichtbeschwingten Lebensform mitgeteitt. Dieser Graf Coudenhove, der das Buch geschrieben hat, war natürlich