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KC-Blätter · 1930-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1930) · p. Seite 76

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 4-5 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 76 (sequence 12)
Language
German
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76 K. C.-Blätter Nachr.-Left und Frohsinn klingt aus ihren tausend Winkeln, Natur und Landschaft prangen wie je in ihrem schönsten Feierkleid. Und doch gibt es daneben ein anderes Heidelberg, dessen Straßen abzweigen vom brausenden Strom der bewegten Hauptstraße, in dessen Quartieren die Armut dichtgedrängt in lichtloser Enge hockt. Dieses andere Heidelberg, das abseits liegt vom Korso des studentischen' Treibens, zählt zu seinen Bestandteilen auch ein ärmliches Gebäude, das sich von allen anderen dadurch abhebt, daß in seinen Mauern der erste deutsche Reichspräsident das Licht der Welt erblickte. Es mag bei dieser Gelegenheit einmal auf diese beiden Heidelberg, das Heidelberg der Studentenromantik und das Heidelberg Friedrich Eberts, hingewiesen sein. Nicht um einen Gegensatz aufzuzeigen, der unüberbrückbar wäre. Im Gegenteil. Wir glauben, daß die deutsche Studentenschaft den Weg von ihrer altromantischen Straße zum Hause des Mannes, der aus harter Arbeit aufstieg zum höchsten Dienst am Volke, finden und begreifen muß. - Der Weg, der beide Heidelberg verbinden soll, ist der Weg, der aufwärts führt. R. £. Oeffentttche Kundgebung der Arbeitsgemeinschaft der Konfesfionen für den Frieden. (J. T. A.) Die „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden", die im Oktober 1929 zum 1. Male mit einer Massenkundgebung vor dieOeffentlichkeit getreten war, hielt im gleichen Saale (Hochschule für Musik) ihre zweite Kundgebung ab. Von jüdischen Persönlichkeitrn sah man u. a. die Rabbiner Dr. Bleichrode, Dr Löwenstamm und Dr. Alexander, ferner Dr. Alfred Nossig, Vorsitzenden des jüdischen Friedensbundes, Bildhauer Jacob Pleßner. Nach Begrüßungsworten des Präsidenten Di*, h. c. Spiecker spricht je ein Repräsentant der in der Arbeitsgemeinschaft vertretenen Konfessionen, und zwar Pfarrer Lie. theol. Wielandt über die Ärsachen, R.-A. Dr. Klee über die Wirkungen und der Zentrumsabgeordnete Dr. Krone über die Aeberwindung der Kriege. Pfarrer Wielandt warnt vor einer Aeberschätzung der Kriegsgreuelschilderung angesichts einer kriegsfremden Jugend und bezeichnet als Hauptursachen des modernen Krieges die immanente Abenteuerlust der Menschen, das „wehrhafte" Mannesideal und die Ehrfurcht vor Cäsarenwahn und Wetteroberungssucht. Er fordert die Schaffung positiver Iugendideale, die der Liebe zum Besonderen und Gefahrvollen in gesunder Weise gerecht werden, Selbsterziehung der Frauen zur Wertschätzung eines neuen Mannesideals, das zwar die Unterschiede im Wirkungskeis der Geschlechter mindern, sie aber nur zu umso besserer Kameradschaft des wahrhaft wehrhaften Alltagskampfes umschaffen wird, und Ehrfurcht allein vor wahren FreiheitsundKampfeshelden desKultur- W sortschritts. Er warnt vor Ueberschätzung m der Wirtschaft als Weltbewegungsfakror und ruft zu tatkräftiger Befriedung der Hauptkrisenherde — Ostasien, Indien, Südafrika — auf und erhebt Einspruch gegen die geistfeindliche Religionsunterdrückung in Rußland. Redner schließt: „Wenn der lebt, an den wir glauben, so werden die zu Führern werden, die ihm nacheifern." Dr. Alfred Klee stellt der „ Stahlbad Propaganda der Kriegsbegeisterten Bilder aus der Kriegswirklichkeit gegenüber, die zeigen, daß der Krieg sittlich verrohend und fortschrittsfeindlich sich auswirkt, Krankheiten als Menschheitsgeißel vor sich hertreibe, Frauen in für sie ungeeignete Berufe getrieben und so auch kommende Geschlechter schon im Keim geschädigt habe, während ein Bruchteil der Kriegs- oder auch nur der Rüstungsbudgets Taus ende von Krankenanstalten hätte erstehen undwahrer „Wehrhaftigkeit" kommender Jugend im Lebenskämpfe hätte dienen können. Dem Judentum weist Redner die Rolle als M Völkermittler und Friedenspionier zu,U nachdem es in den letzten Jahrzehnten diese Rolle leider vielfach vernachlässigt habe. Klee fordert eine neue Erziehung einer neuen Jugend und schließt unter stürmischem Beifall der sichtlich tief ergriffenen Versammlung: „Wenden wir uns von dem Vorwurf der Kommenden ab: „Sie haben nichts hinzugelernt!" Dr. Krone (M. d. R.) stellt dem scheinheiligen Grundsatz „81 vis pacem para bellum“ den Grundsatz gegenüber: „81 vis pacem para pacem“. Er würdigt j sodann die Pan-Europa Idee als religiöses Postulat und bezeichnet als Voraussetzung für ein Friedenseuropa ein pazifistisches Mitteleuropa. Hier weist er dem entwaffneten Deutschland die Pionier- und Heroldsrolle zu; denn Deutschlands als der naturgeschaffenen

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