KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 1 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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2 K. C.-Blätter Nachr.-Left großes Wissen. Diese Freitagabende werden bei allen, die an ihnen teilnehmen durften, unvergessen bleiben. So nimm denn, lieber Bundesbruder Vogelstein, den Dank für Dein treues Wirken für uns und unsere herzlichsten Wünsche für weiteres segensreiches Schaffen entgegen. In multos snnosl Dr. Hugo Ehrlich (Sprev., Frib.) Amschau. Am 10. Januar 1930 waren es zehn Jahre, seit der Versailler Friedensvertrag in Kraft getreten ist. Man mag sich einmal zurückdenken aus einer Gegenwart, die gewiß nicht rosig ist, in eine Vergangenheit, die unjer Volk dem Abgrund immerhin noch näher sah als heute, und möge sich fragen, welches die Männer waren, die diesen bescheidenen aber unverkennbaren Fortschritt bewirkten. Ginge es nach der völkischen Lehrmeinung, so würde man Träger jüdischer Namen darunter nicht entdecken können. Es ist im Gegenteil bequemer und für viele auch der eigenen Entlastung dienlicher, dem Juden gerade die Schuld an allem Elend zuzuschieben, das seit dem verlorenen Krieg unser Volk zu Boden drückt. Jedoch ist es ratsam, nicht durch die völkische Brille zu schauen, weil ihre Sehschärfe nicht ausreicht, um den Fluß der Entwicklung bis zur Quelle zurückzuverfolgen. Es gehört kaum mehr als ein kleines Stücklein Zeitkenntnis dazu, um zu wissen, daß in den schicksalsbildenden Zeitläuften, die in den Krieg und bis an sein unseliges Ende hineinreichten, die Juden zur politischen Einflußlosigkeit verurteilt waren und mithin auch nicht am heutigen Mißstand schuld sein können. Hätte es doch niemals ein Friedensdiktat gegeben, wenn nicht vorher, in den Lagen der „judenreinen" Politik, ein Weltkrieg ausgebrochen wäre. Die Wurzeln unserer heutigen Leiden liegen in jener Zeit. Die heutige Generation, die den Juden eher schon einmal zur Mitarbeit zuläßt, hat nicht selber den Keim des Unheils gesät, sondern verwaltet das schlimme Erbe einer Zeit, in der grundandere Kräfte dominierten als heute. Einsichtigen Leuten ist es längst nicht mehr zweifelhaft, daß Bestand und Erstarkung der Nation durch zwei eherne Säulen getragen werden: Die Reichsverfassung und die Verständigungspolitik, die durch das Vertragswert von Locarno Eingang fand in' das internationale Rechtsbewußtsein. Mit diesen beiden deutschen Lebensnotwendigkeiten sirrd die Namen Preuß und Rathenau unlöslich verknüpft. Zwei deutsche Juden, beide ihrem Volke, dem sie Unschätzbares leisteten, viel zu früh entrissen. Wird das deutsche Volk ihnen den Dank und die gerechte Würdigung in späteren Tagen einmal nicht mehr vorenthalten? Wir hoffen, daß diese Tage nicht mehr fern sein mögen, denn das wäre das untrüglichste Merkzeichen der inneren Gesundung, deren unser Volk so dringend zu seinem Wohlergehen bedarf. Der preußische Kultusminister Becker ist in diesen Tagen aus seinem langjährig geführten Amte geschieden. Diese Tatsache stimmt zunächst aus grundsätzlichen Erwägungen heraus nachdenklich. Minister Becker mußte abtreten, nicht weil seine fachliche Disqualifikation sich erwiesen hätte, sondern weil sonst die parlamentarische Rechenaufgabe, in die von den Parteien der Schwerpunkt des Regierungsproblems hineinpraktiziert wurde, nicht aufgegangen wäre. Eine scheinbar notwendige Verschiebung des politischen Kräfteverhältnisses bedingte» daß ein Rechen- oder Ministerposten gegen einen andern ausgewechselt würde» und zum Figuranten dieser Rechenkomödie war der preußische Kultusminister nicht zu schade. Es ist und bleibt bedauerlich, daß qualitative Kräfte geopfert werden zugunsten parteipolitischer Konstellationswünsche. Es würde der deutschen Politik bestimmt besser tun, wenn sie in ihren Entschließungen sich sachbewußter und großzügiger zeigte, und die Pflege neckischer Algebrakünste den zuständigen Wissenschaften überließe. Was den speziellen Fall anlangt, so hat Becker es nicht verdient, in so leichtherziger Weise buch-