Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1927-01-01 · Heft 1 (Januar 1927) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 1 (Januar 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2268830-2268964-2268965--3260-2272407
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2 Mein Deutschland. Mein Deutschland ist kein Heimatland für erdgebund'ne Machte. mein Deutschland ist das frei'ste Land, das Land urew'ger Rechte; es ist das Land, wo Wahrheit rankt empor zu höchsten Höhen» es ist das Land, wo Freiheit prangt, die nimmer kann vergehen. Deutschland, mein Deutschland, bleibe dir treu, kämpfe für Wahrheit und Freiheit aufs neu, für Wahrheit und Freiheit, fürs heiligste Band, heißt leben und sterben für deutsches Land. Mein Deutschland ist das harte Erz für dieser Erde Ringen, mein Deutschland ist der Welten Herz, voll Klingen und voll Singen, es ist das Land, das nie hört auf, solang noch Sterne schwingen, geführt vom Geist im weisen Lauf zum ewigen Vollbringen. Deutschland, mein Deutschland, bleibe dir treu, kämpfe für Wahrheit und Freiheit aufs neu, für Wahrheit und Freiheit, fürs heiligste Band, heißt leben und sterben für deutsches Land. Mein Deutschland ist das Unterpfand des Gottes aller Welten, mein Deutschland ist der Güte Hand, die nimmer will vergelten. Es ist das Land, das stolz vertraut auf deutschen Geistes Stärke, die fest umschlingt und einig baut des deutschen Geistes Werke. Deutschland, mein Deutschland, bleibe dir treu, kämpfe für Wahrheit und Freiheit aufs neu, für Wahrheit und Freiheit, fürs heiligste Band, heißt leben und sterben für deutsches Land. S. W. Sub specie aeternitatis. (Zum 230. Todestage Spinozas: 21. Februar 1927.) Von Rabbiner Dr. Löwenstamm, Spandau. Es ist ein tiefsinniges Wort Spinozas, daß man die Dinge unter einem Gesichtspunkt der Ewigkeit bettachten soll. Dies liege in der Natur der Vernunft, die die Dinge, ohne irgend eine Beziehung auf die Zeit, als notwendige, nicht als zufällige erkennen und das ihnen Gemeinsame aufsuchen muß. So muß es eine im Geiste des Denkers liegende sittliche Forderung sein, auch seine Ideen und seine Persönlichkeit diesem Gesichtspunkt der Ewigkeit zu unterwerfen und einen Standort der Bettachtung zu wählen, der, erhaben über Lob und Tadel, über beides in möglichster Objektivität zu ihm eine Ewigkeitsstellung gewinnt. Konkret ausgedrückt lautet die Frage: Was in Spinozas Gedanken entspricht dem Wesen der Philosophie? Inwiefern verkörpert seine geistige Art das Ideal und das Ziel und die Aufgabe der Philosophie? Denn nur der verdient im Gedächtnis der Nachwelt dauernde Beachtung, der in seiner Lebensarbeit dem zettlosen Leitbild möglichst nahe gekommen ist. Philosophie, einst die Beherrscherin aller Wissenschaften, die den alleinigen und ausschließlichen Anspruch auf den Namen der Wissenschaft erheben konnte, hat das Schicksal der Könige geteilt: sie ist entthront worden, nachdem die einzelnen, in ihr eingeschlossenen Wissensgebiete reif geworden und ihre eigenen Wege gegangen sind. Wie das Mündigwerden des Bürgers und des Volkes keine autoritative Vormachtstellung eines Individuums verttägt, so hat die Verselbständigung der Wissenschaften die Autorttät der Allgemeinwissenschaft untergraben. So ist die Schätzung der Philosophie seit dem Erstarken der sogenannten exakten Naturforschung ständig zurückgegangen, um im Zeitalter des Materialismus und der mechanischen Weltauffassung auf dem Tiefpunkt anzukommen. Wenn schon die wissenschaftlich gerichteten Köpfe den Sturz der Philosophie mit gemischten Gefühlen hingenommen haben, voll Mitleid, das man menschlich dem Hohen bei seinem Fall zeigt, aber auch im Bewußtsein des Triumphes, wie wir's so herrlich weit gebracht, so ist es nicht wunderbar, daß die große Masse sich von der philosophischen Betrachtungsweise abwendet, schon immer geneigt, die Philosophie für ein ideologisches Traumland zu halten, immer nur auf das Konttete, Sicht- und Greifbare zu achten und Parasitenhaft von den Ergebnissen der Wissenschaft zu leben, ohne den Weg der Forschung zu erkennen und die Mühen der Wahrheitsfindung anzuerkennen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.