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KC-Blätter · 1926-07-01 · Heft 3 (Juli 1926) · p. Seite 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 3 (Juli 1926)
Date
1926-07-01
Page
Seite 44 (sequence 18)
Language
German
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® WV". " ' " ■' -!*-. '*■• "i ”• * "~' 44 nische Zukunft verstehen wir nicht nach dem Gleichnis, daß der Herr allen Völkern „auf dem Berge Zion ein Mahl richten wird", sondern wir berufen uns auf die zahlreichen bilderlosen Aussprüche, in denen der einzige Gott als der „Herr der ganzen Erde" geweissagt wird. Daher können wir nur die gesamte geschichtliche Erde als die Zukunftsstatte unserer Religion anerkennen. Und nur diese Zukunft erkennen wir als unsere wahrhafte Heimat an. Mein Gegner verbleibt aber in dem Widerspruch zweier Sätze. Zuerst heißt es: Das Heimstreben nach der Heimstätte ist ein nationales". Unmittelbar darauf aber: „Das Streben des jüdischen Gemeinwesens in Palästina wird ein übernationales sein müssen". ' Dieses Ueber ist ein modernes Modewort, das mir schon am Ueberempirischen und Ueberindividuellen abstoßend ist. Die lokale Prä-' Position enthalt keine begriffliche Bestimmung. Cs heißt aber auch weiter: ,>Wir wollen Palästina nicht für die Juden: wir wollen es für die Menschheit, denn wir wollen es für die Verwirklichung des Judentums!" Also ist die Verwirklichung des Judentums doch nur durch die Menschheit bedingt! Und nur für die Menschheit sollen wir wieder Palästina gewinnen! Für die Menschheit jedoch haben die Propheten die Welt. erschlossen, den „neuen Himmel" und die „neue Erde", und Palästina ist ihnen nur das Symbol dieser künftigen Welt. Was hat der Prophetismus in diesem widerspruchsvollen Nationalismus gemein? Die gesamte Geschichte des Judentums lehrt, in Uebereinstimmung mit der Weissagung der Propheten, daß die Verwirklichung des Judentums an unsere Zerstreuung unter die Völker der Erde gebunden ist. Diese Zerstreuung ist dermalen unsere geschichtliche Wirklichkeit. Die Wirklichkeit des Zionismus widerspricht daher der Begriffswelt der Propheten und der unseres gesamten philosophischen Rationalismus. Denselben Widerspruch gegen die messianische Weltmission mit den Mitteln der allgemeinen Kultur bildet Üie Forderung Vubers auf besondere „jüdische Denkformen", „die von denen der europäischen Kultursprachen, unserer „Muttersprachen" verdrängt worden sind". Schon die Setzung der Muttersprache unter Anführungsstriche müssen wir von unserem verdächtigen Dualismus aus als eine Frivolität zurückweisen. Abgesehen aber von dem Problem der hebräischen Sprache, müssen die besonderen jüdischen Denkformen überhaupt als eine verhängnisvolle Absurdität gebrandmarkt werden. Lieber lasse ich mir noch den jüdischen Schädel gefallen, als die spezielle jüdische Logik. And wenn die zionistischen Stilisten die Denkformen auf ein allgemeineres und angeblich intimeres Gebiet hinüberspielen möchten, so wird dadurch an der entscheidenden Bedeutung der Denkformen nichts geändert. Auch die messianische Mission wird dadurch gelähmt. Sie beruht im letzten Grunde nur auf der Gemeinschaft der menschlichen Denkformen in Logik und Ethik, bei allen Menschen und allen Völkern. Der Monotheismus selbst ist keine eigene Denkform, sondern vielmehr nur ein eigener Denkinhalt. Nur diesen Geist mit diesem seinem reinen Inhalt erkennen wir als jüdischen Geist an, und von dessen Wurzelkraft erhoffen wir Fruchtbarkeit für alle sittlichen Probleme, aber nicht schlechthin für alle logisch Wissenschaft. m)en. Sofern jedoch die sittlichen Probleme zugleich die des einheitlichen wissenschaftlichen Geistes sind, befleißigen wir uns der freien unabhängigen Wissenschaft für alle Geistesfragen und scheuen in unserer religiösen Aeberzeugung keine Konflikte mit der freien Wissenschaft. Auch von den allgemeinen Geistesfragen aus läßt sich daher unsere Differenz präzisieren. Wie ich mit Inbrunst fühle: „von Zion geht die Thora aus", so fühle ich mit dem gleichen Ernst der Pietät: von Hellas geht die Wissenschaft aus. Ich kämpfe demzufolge aus den gleichen Gesichtspunkten für die Erhaltung des Griechischen in der deutschen Schule, wie für das Hebräische im Gebet. Aber die Forderung der hebräischen Sprache, als der allgemeinen Sprache alles Geistigen, ist eine Einschränkung des geistigen Horizontes und schlechthin eine Anwahrhaftigkeit des Kulturbewußtseins. Im Deutschtum hingegen erkenne ich den harmonischen Einklang seiner Geistesgeschichte mit dem Platonismus, wie andererseits nicht minder auch mit dem Prophetismus und den Psalmen. Daher liebe ich in der Einheit, die der deutsche Geist in seiner Wissenschaft und seinem Staate darstellt, den Weg der Vorsehung zur Erreichung des messianischen Zieles. And in dieser Liebe der providentiellen Mission des Deutschtums bin ich mir zugleich unerschütterlich bewußt meiner Liebe zum Einzigen Gotte, der nicht nur in Zion thront, sondern der einst die ganze Welt zum tzelobten Lande macht. So wurzelt am. letzten Ende doch unsere Differenz in unserem Begriffe der Religion. Cs entschlüpft meinem Gegner das Wort: „Daß der Zionismus als solcher zu der religiösen Frage überhaupt keine Stellung nimmt". Damit hat er aber aufgehört, „als solcher" eine religiöse Partei zu sein. And ich erhebe Einspruch gegen die Fiktion, daß ein Standpunkt als ein jüdischer anerkannt werden dürfte, der zu der religiösen Frage an sich keine Stellung nimmt. Auf diese Konsequenz seien die Kommilitonen hingewiesen: aus ihr erklären sich hinlänglich die Zweideutigkeiten und Widerwärtigkeiten, deren Widerlegung uns auferlegt ist. Ich schließe mit der Losung des großen Rabbi Iochanan ben Sakkai: ich bin in diesen Kampf nur eingetreten, „aus daß die Streitigkeiten sich nicht mehren in Israel".

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